Marnie Stern – Marnie Stern

Was für ein ausgefallenes, schräges und fröhliches Cover. Marnie Stern begegnen uns bereits hier mit einem Blick für das wohlüberlegte und gestalterische Chaos. Gegenüber an der Wand steht der Name und dazwischen erwartet uns eine lange und aufregende Reise durch vielversprechende Augenblicke, gepaart mit dem Gefühl endlich wieder neue Dinge entdecken zu dürfen. Das alles geschieht dabei funktionsorientiert, Bilder korrespondieren mit Ihren umgebenden Texten, erzeugen zugleich Freiraum und nur so kann es schlussendlich auch die ganze Wirkung entfalten und den Betrachter in das Thema hineinziehen. Hinzu gesellen sich Unmengen verschiedener Farbgebungen, platzierte Farben steigern die Response-Rate um ein Vielfaches und doch bedeutet der Erfolg von Farbigkeit nicht alles. In Anbetracht der Debütplatte jedoch, zeigt die Kombination aus diesen Faktoren eine Perfektion, welche es eigentlich gar nicht geben dürfte. Es ist eine Idee die bestens gestalterisch umgesetzt wurde, neue Zielgruppen erschließen wird und das oberflächlich gesehen, einzig durch die besondere Aufmachung. Manchmal ist Originellität eben alles. Die New Yorker um Marnie Stern bleiben damit herrlich einmalig. Es ist der Aufstand einer 30jährigen. Das Schlagzeug von Zach Hill klappert konstant mit überdurchschnittlichen Geschwindigkeiten durch dichte und schillernde Klänge. Es ist eine Mini-Symphonie in aufsteigenden Melodien und spiralförmigen Riffs. Bestes Beispiel dazu liefert uns ‚ Building A Body ‚ mit einer unglaublichen Ausgereiftheit und Subtilität. Dazwischen immer wieder der unverzichtbare Gesang und Texte wie, „I’ve got something in my soul/ Growing into something you can touch…” Müsste man zudem Adrenalinschübe anschaulich demonstrieren, täte das zweite Studioalbum dafür vollkommen ausreichen. Ahnungslose Menschen würden anschließend mit einer anderen Einstellung durch Weltgeschichte steuern. ‚ Marnie Stern ‚ ist psychedelisch, hektisch, vollgepumpt mit leistungssteigernden Mitteln, rätselhaft, ungewöhnlich, elastisch und unerträglich ergreifend. Die Platte füllt sich abschließend so an, als würde man ein umgedrehtes Buch von hinten nach vorne lesen. Wie verdammt wohltuend ist hier das ungewöhnlich ruhige ‚ The Things You Notice ‚ am Ende der Platte. Unverblümt unkommerziell bleiben Marnie Stern auch im Jahr 2010, wenngleich die Fangemeinde einen erfreulichen Wachstumsschub vermelden wird. “Can you feel my hands stretch?” fragt Sie uns auf ‚ Cinco De Mayo ‚ und in gewisser Weise können wir das jetzt auch. Das kontrollierte Chaos erlaubt uns einen geordneten Blick und räumt uns endlich den Weg frei, um an das andere Ende Ihres Zimmers zu gelangen. Wer hätte gedacht den einmaligen Moment einmal selbst erleben zu dürfen – doch nun stehen wird am anderen Ende des Eingangs, inmitten dieser fabelhaften Welt.