Mark Lanegan – Straight Songs Of Sorrow

Wie es sich für eine weitgehend autobiografische Sammlung von Liedern gehört, die über ein ganzes Leben zurückblicken, bewegt sich die Musik von Mark Lanegan auf dem neuen Album „Straight Songs Of Sorrow“ durch die Vielfalt der Genres, mit denen Lanegan experimentiert hat. Manchmal geht er zurück zum unkomplizierten Singer-Songwriting seines 1994er Klassikers „Whiskey For The Holy Ghost“. Siehe zum Beispiel die süße, reflektierende Ballade „Apples From A Tree“, in der Akustikgitarren von Lamb of God-Gitarrist Mark Morton ausgewählt werden.

An anderer Stelle nickt Lanegan in Richtung seiner elektronischen Arbeit. Das eröffnende Stück „I Wouldn’t Want To Say“ enthält einen Organelle-Computersynth und die Zeile: „Swinging from Death… to Revival“, eine offensichtliche Anspielung auf „Revival“, die erste Single von Lanegan aus dem unterschätzten 2007er Album „It’s Not How Far You Fall, It’s The Way You Land“, eine Zusammenarbeit mit dem englisch-amerikanischen Produktionsduo Soulsavers. Manchmal verwickeln sich Erinnerungen und Mythen. 

Das nachtdunkle „Ballad of a Dying Rover“ mit John Paul Jones von Led Zeppelin erinnert an Lead Belly’s „Where Did You Sleep Last Night?“. Cobain und Lanegan nahmen den Song einst zusammen auf und Lanegan präsentierte letztlich diesen Song in seinem ersten Soloalbum „The Winding Sheet“. Das dritte Lied auf dem Album ist „This Game of Love“, das von einem unwiderstehlichen Zusammenspiel zwischen Lanegan’s Stimme mit der seiner Frau Shelley Brien angetrieben wird. Das Duett entspricht dem lyrischen Inhalt des Liedes, der Dichotomien von Himmel und Hölle sowie Zusammengehörigkeit und Einsamkeit. 

Nach diesen drei Liedern bleibt „Straight Songs of Sorrow“ jedoch erheblich stehen. Keine der folgenden fünf oder sechs Nummern entspricht Lanegan’s gewohnten Qualitäten im Songwriting. „Stockholm City Blues“ ist der Ort, an dem die Energie des Albums aber wieder zunimmt. Die musikalische Komposition des Songs entwickelt auf subtile Weise zusätzliche Ebenen, während die Texte die Art und Weise ausdrücken, wie ein Süchtiger die Zeit in Erwartung des nächsten Fixes erlebt. Zusammenfassend enthält „Straight Songs of Sorrow“ eine exzellente halbe Stunde Musik innerhalb seiner einstündigen Laufzeit. 

Das Leben mag das „study of dying“ sein, wie Lanegan in Queens of the Stone Age’s „Song for the Dead“ sang, aber der Schlüssel ist herauszufinden, „how to do it right“. Lanegan lebt und kämpft hier mit dem Tod – seine Musik als Ventil dienend.