M. Ward – Think Of Spring

Think of Spring von M. WARD wurde auf einem analogen Tascam-Vierspurer mit minimaler Bearbeitung im Studio aufgenommen und verleiht diesen ursprünglichen, rohen, herzzerreißenden Blues-Nummern von Billie Holiday eine andere, mürrische und deutlich amerikanischere Note.

Nur wenige Monate nach seinem letzten Album „Migration Stories“ und den Science-Fiction-Unterströmungen und quietschenden Synthesizern, ist diese Hommage an Billie Holiday eine ganz andere Geschichte. Alle bis auf einen Titel stammen aus Holiday’s 1958er Album „Lady in Satin“, dass mit einem 40-köpfigen Orchester aufgenommen wurde. Ward experimentiert während der gesamten Aufnahme des Projekts mit alternativen Stimmungen, und es ist beeindruckend, wie er es schafft, Teile der ursprünglichen Arrangements in den Vordergrund zu rücken, selbst wenn er die Songs auf unbekanntes Gebiet umleitet. Er versucht auch nicht, Holiday’s eigenwillige Stimme nachzuahmen, aber er behält ihre zurückhaltende Trittfrequenz und ihr Tempo bei. 

Während seine lakonische Phrasierung gut zum Material passt, zeigt die spärliche Instrumentierung – hier kein 40-köpfiges Orchester – oft seine manchmal komplizierte Beziehung zur Tonhöhe. Trotzdem ist es offensichtlich, dass Ward ein Fan ist und über weite Strecken möchte man einfach auf Play zu drücken und sich im rauchigen Äther verlieren. “I first heard ‚Lady In Satin‘ in a mega-shopping mall somewhere in San Francisco. I was about 20 years old and didn’t know much about Billie’s records or her life or how her voice changed over the years. Anyway, the sound was coming from the other side of the mall and I remember mistaking her voice for a beautiful perfectly distorted electric guitar – some other-world thing floating there on this strange mournful ocean of strings and I was hooked for life.”

Es ist ein charmantes Hören, reich an Feinheiten und mit einer tiefen Wärme und Ehrfurcht vor dem Originalmaterial. Musikalisch wird es die Welt nicht verändern, aber erwähnenswert ist es durchaus, dass alle Einnahmen aus „Think of Spring“ wohltätigen Zwecken zugute kommen. Und wenn letztlich durch diese Aufnahme mehr Menschen zum unvergessenen Billie Holiday geführt werden, dann ist die Welt bereits ein etwas besserer Ort.

6.7