Loyle Carner – Not Waving, But Drowning

Der 24-jährige englische Musiker verleiht jedem der 15 Titel seines neuen Albums einen wunderbar seidigen Gesang. Die Texte haben zum großen Teil eine betörende, poetische Verwundbarkeit. Wie er auf „Ice Water“, einem der vielen herausragenden Stücke des Albums, genau sagt: “I’m smooth like the change of seasons”. In einer Zeit, in der der HipHop seine Prahlerei der Jahrhundertwende abzulegen beginnt und sich wieder seinen politischen Wurzeln zuwendet, konzentrierte sich Loyle Carner auf die Politik des eigenen Seins. Er ist im Herzen ein begabter Dichter mit einer Liebe zum Hip Hop. „Not Waving, But Drowning“ ist treffend nach einem Gedicht von Stevie Smith benannt, fühlt sich ungewöhnlich, aber erfrischend zurückhaltend an.

Loyle Carner’s Debütalbum „Yesterday’s Gone“ war gut – in der Tat war es wirklich gut. „Not Waving, But Drowning“ ist eine überzeugende Fortsetzung – aber erreicht es die schwindelerregenden Höhen des ersten Albums? Ja und nein. Es sind die Kollaborationen, die am hellsten auf „Not Waving, But Drowning“ strahlen. Jordan Rakei auf „Ottolenghi“ ist ein verträumtes Stück britischer Hip-Hop. Carner’s raffinierte Leistung springt über treibende Beats und Jazz-Riffs, während Rakei’s sonnenverwöhnter Gesang den perfekten Refrain gibt. Mit souligen Gitarren-Licks und schwebenden Nu-Jazz-Synthesizern ist „Angel“, zusammen mit dem alten Freund Tom Misch, eine weitere großartige sonnenverwöhnte Melodie.

„Not Waving, But Drowning“ ist ein beeindruckendes zweites Album mit einer Handvoll strahlender Melodien und einer Prise von Carner’s einfühlsamer und witziger Lyrik. Es ist letztlich auch Carner’s klares Auge für die moderne Welt, die ergreifende und leise politische Geschichten schreibt und diese Veröffentlichung so beachtenswert macht.