Lily Allen – No Shame

Lily Allen’s letztes Album „Sheezus“ hat mir nicht so gut gefallen und womöglich war die Pause gar nicht so schlecht, denn vier Jahre später bringt die neue Platte „No Shame“ alles wieder ins Gleichgewicht. Es ist ein eher zurückhaltendes, vibrierendes Album ohne offensichtliche Hitsingles. Es ist dennoch durchgängig packend und sehr beeinflussend. Sie hat es aus meiner Sicht ebenso geschafft, sich mit der Zeit zu bewegen, aber immer noch Musik vorzuleben, die sie als Künstlerin definiert, anstatt zu versuchen, irgendjemandem nachzueifern. Textlich geht es recht wild zur Sache, als ob ihre scharfe Zunge und die Beobachtungsschärfe nach innen gewandert wären.

In Liedern wie „What You Waiting For?“ and „Family Man“ trägt sie die ganze Schuld für den Zusammenbruch ihrer Ehe, während sie um Vergebung und Versöhnung bittet. Musikalisch erinnert mich die anschwellende Piano-Ballade von „Family Man“ fast an eine moderne Version von The Carpenters. Der minimalistischste Track des Albums ist „Apple Ballad“, der einen sehr bitteren Kern beinhaltet, wenn Allen ihre eigene zerbrochene Beziehung mit der Scheidung ihrer Eltern vergleicht: „I guess the apple does not fall from the tree“. Überraschenderweise, aber ziemlich mitreißend, schließt „No Shame“ mit seiner optimistischsten Melodie ab. „Eventually you’ll get a piece of that patriarchy pie“, erzählt Allen ihren Zuhörern auf „Cake“ und „Pushing Up Daisies“ könnte ein süßes Liebeslied sein, das sich darauf freut, mit jemandem alt zu werden.

„No Shame“ zu hören ist wie eine Unterhaltung mit einem alten Freund, den man schon lange nicht mehr gesehen hat und mit weniger Sentimentalität in der Stimme geschrieben, ergeben die neuen Songs eine schlaue, selbstbewusste und unwiderstehlich unvollkommene Platte.

7.7