Let’s Wrestle – Nursing Home

Auf der zweiten Platte ‚ Nursing Home ‚ erscheint erneut dieses kunterbunte und schusselige Sammelsurium echter und nie gekünstelt wirkender Songs.Die Raufbolde von Let’s Wrestle haben es wieder vollbracht, eine umwerfende Mischung aus perfekter Balance und einer gewissen Respektlosigkeit und lebhaften Rhythmen auf CD zu pressen. Wie rohe Haken hängen dort die Witze, deren ummantelte Geschichten in banalen Themen eingreift, süffisanter Sarkasmus tropft auf den erhitzten Boden und mit einer amüsanten Selbsterkenntnis wird die anfallende Sauerei über 12 Stück am Ende wieder aufgewischt. Denn ein bisschen erwachsener ist das Trio aus London dann doch geworden. Die Platte wurde letztes Jahr in Chicago gemeinsam mit Produzenten-Legende Steve Albini aufgenommen. Der Sänger Wesley Patrick Gonzalez meinte übrigens dazu, es klingt wie eine Garage-Antwort auf Thin Lizzy und The Cars! Auch wenn es im Opener ‚ In Dreams (Part 2) noch nicht ganz ersichtlich scheinen mag. Findet die Band zwar hier in vertrautes Terrain – schlägt aber mit rotznässigen Gitarren über das eigene Gefühl, als wäre man gerade aus dem Bett gefallen, während die restlichen Fetzen des Traums an den Kampf gegen ein Pokémon verhallen. “I punched Pidgeotto right in the face“, vielleicht eines des der besten Einzeiler in diesem Jahr? ‚ Bad Mammaries ‚ ist eine Anti-Puma-Hymne, dessen Strophen so euphorisch springen und hüpfen, als wäre das schon immer der sehnlichste Wunsch seit Anbeginn Ihrer Karriere gewesen. Let’s Wrestle blicken bei ‚ In The Suburbs ‚ in die Langeweile des Seins Ihrer verbrachten Jugend in den Vorstädten und schwelgen dabei ungehemmt in Erinnerungen. ‚ Dear John ‚ erklingt wie eine reine Albini Nummer und lässt vielleicht ein wenig zu sehr den Input des Trios vermissen. Doch glücklicherweise fehlt es auch in der zweiten Hälfte nicht an Innovationen und Originellität. Denn alles ist in Hülle und Fülle vorhanden, angeheiterte Instrumentals, wie auch eine betrunkene Ehrlichkeit und fein aufgezogene Verse, die mal lauter und mal leiser durch die Boxen hämmern. Natürlich bleibt die markanteste Veränderung im Sound die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Albini, denn durch Ihn rollt nun wesentlich druckvoller der Bass von Mike Lightning durch die Songs und legt so zweifelsohne einen wichtigen Grundstein für das gesamte Album. Musikalisch bietet ‚ Nursing Home ‚ einige Sicherheiten und zeigt verständlicherweise auch einen leichten Mangel an Risikobereitschaft. Aber so ist das eben mit der zweiten Platte und nicht wenige sind bisher daran gescheitert. Let’s Wrestle haben sich bewundernswerter Moral durchgekämpft und uns schlussendlich den erhofften bohrenden Wurm in den Kopf gesetzt.