Låpsley – Through Water

Manchmal sagt das Artwork eines Albums alles, was wir brauchen, um etwas über die darin enthaltene Arbeit zu wissen. Beim Debüt „Long Way Home“ im Jahr 2016 blickte uns Låpsley eindringlich an. Der trotzige Ausdruck auf ihrem jungen Gesicht bereitete uns auf ihre traurigen Synth-Mediationen über enttäuschende Beziehungen und innere Verletzungen vor. Bei „Through Water“ hat sie aufgehört, Antworten zu verlangen, und sich den Elementen hingegeben – ein tiefer Sprung des Engagements, wohin auch immer die Wellen sie führen mögen. Der Sprung hat sich definitiv gelohnt – ihre unnachahmliche Stimme gedeiht in der wahnsinnigen Dancehall und dem von Afrobeat inspirierten „First“ und dem großen Pop-Selbstvertrauen von „Womxn“, weiß aber auch, wann sie einen Schritt zurücktreten muss, indem sie die Platte mit gesprochenen Wortsegmenten und herzlichen Mantras aufpeppt, die das Ganze fest zusammenhalten. 

Ihre Arbeit wird immer von ihrer zurückhaltenden, verletzlichen Natur geprägt sein, aber hier fühlt es sich viel mehr als eine Absicht als ein Unfall an – eine Künstlerin, die lernt, sich in ihre Stärken hineinzulehnen und im Zuge der Dunkelheit nicht mehr zurückzuschrecken. Das Album beginnt mit einer Reflexion über die Klimakrise, während sie mit Glas, Öl und Wasser kommuniziert. Dieser achtsame Moment scheint eine Befragung des Endes einer Beziehung durch die Linse der natürlichen Welt auszulösen, mit Liebesversuchen, die als Feuer, Lawinen, Blumen und das allgegenwärtige Wasser mit seinem abgeleiteten Potenzial zur Pflege oder zum Ertrinken geworfen werden. Gelegentlich verwandeln sich die Metaphern in Klischees – “love we didn’t buy evergreen” -, aber selbst die bekannteren Bilder erhalten durch ihre Stimme, die die Lachfalten und Falten gelebter Erfahrung in sich trägt, neue Kraft.

Abgesehen von zwei oder drei Füllern sind dies herausragende Songs. „Through Water“ ist nicht formelhaft, da Songs wie „Ligne 3“ und „Speaking of the End“ eine kontrastierend theatralische Qualität haben, die an ein melancholisches Keyboard-Kabarett angrenzen. An anderer Stelle hören wir rumpelnde Synth-Bässe, Klangstäbe und eine klarinettenartige Gegenmelodie als traumwandlerische Untermalung. Während die Fans froh sein werden zu wissen, dass „Through Water“ im Allgemeinen an der gut angenommenen, gepolsterten Indie-Electronica von „Long Way Home“ festhält, wird es durch seine verbesserten Qualitäten zu einem noch besseren Einstiegspunkt für Uneingeweihte.