Kylie Minogue – Kiss Me Once

Ihre Stimme ist nicht die stärkste, die Texte sind traurig und es gibt jede Menge Füllmaterial – aber KYLIE MINOGUE hat ihr Talent für die Produktion einer überlegenen Dance Pop Platte nicht verloren.

Der Titel „Kiss Me Once“ deutet stark darauf hin, dass Kylie Spaß mit diesem Album hat – und es ist nicht das einzige. Zu diesem Zeitpunkt hätte sie mit ihrem einzigartigen internationalen Status und ihren konstanten Verkäufen ziemlich leicht eine Ladung Pop-Dance-Füller mit zwei großen, von Sia mitgeschriebenen Singles herausbringen können. Danach wäre noch ein nächstes Greatest Hits Album gefolgt und fertig. Und die erste Single „Into the Blue“ vermittelt eigentlich erstmal das Gefühl, es Katy Perry einfach nur nachmachen zu wollen, besonders wenn ihm die flotte Disco Nummer von „Million Miles“ folgt. Aber dann, noch bevor wir zur Unsinnigkeit von „Sexercize“ kommen, hören wir das zappelige „I was Gonna Cancel“ mit seinem krabbelnden Clavinet Funk, dem von Gloria Estefan gefärbten Song und den zischenden Trance Akkorden, und es ist klar, dass dieses Zeug nicht nur von der Stange genommen wurde.

Das Album bewegt sich textlich um die Bewältigung und die Herausforderungen des Lebens mit bewundernswertem Mut und leichtem Bubblegum Pop, der super sexy und super lustig ist. Die Mischung aus ernst und erhebend, doof und süß ist eine Formel, die sie sich im Laufe der Jahre zu eigen gemacht hat, und „Kiss Me Once“ ist das patentierte Lehrbuch dazu. Das Auflisten der Highlights des Albums würde im Grunde bedeuten, die gesamte Titelliste durchzugehen, aber es gibt ein paar echte Kracher unter ihnen. „Fine“ ist beispielsweise so ein starker Track mit süßer Botschaft, einer hervorragenden Verwendung von Auto-Tune und einer Art Refrain, der unser Herz beim Mitsingen mit Wärme erfüllt. „Sexy Love“ ist zwar ein ziemlich offensichtlicher Versuch, die Disco-Magie von „Get Lucky“ wiederzuerlangen. Schamlos oder nicht, es ist ein wirklich gutes Lied.

Die einzige Enttäuschung ist ihr Duett mit Enrique Iglesias auf „Beautiful“. Es ist eine dumme Ballade, die sich hier fehl am Platz anfühlt und besser auf dem Soundtrack einer wirklich schlechten Schnulze funktioniert. Trotz dieses einen überspringbaren Moments ist „Kiss Me Once“ ein glitzerndes, lustiges und überraschend kraftvolles Album, das durch und durch die klassische Kylie zeigt.

6.5