Kedr Livanskiy – Liminal Soul

Das dritte Album der elektronischen Musikerin und Sängerin KEDR LIVANSKIY behandelt die zufälligen Begegnungen des Alltags mit einer erfrischend spielerischen Sensibilität.

Kedrina hat seit ihren frühesten Songs Wege gefunden, experimentelle elektronische Musik mit den angenehm zufälligen Begegnungen des menschlichen Lebens zu durchdringen. Selbst die akribischste Produzentin kann nicht vorhersagen, wie ihre Tracks im wirklichen Leben klingen werden – wie Umgebungen und Substanzen einen Song von einer Person zur anderen völlig anders klingen lassen – und Kedrina’s Musik spiegelt diese Unsicherheit wider. „Liminal Soul“ folgt einem ähnlichen Sound wie Livansky’s frühere Werke, jedoch mit leichten Variationen ihres charakteristischen Sounds. Bestimmte Elemente auf diesem Album erinnern, vor allem in Ihrer Gesangsproduktion, an den russischen Elektronik-Act IC3PEAK. Am deutlichsten wird dies bei „Night“, ihrer Zusammenarbeit mit der russischen Musikerkollegin Synecdoche Montauk, die sowohl überraschend als auch durchaus stimmig erscheint. Synecdoche Montauk’s Stimme liegt irgendwo zwischen Sufjan Stevens und James Blake.

Abgesehen davon bietet „Liminal Soul“ uns jedoch nicht viel Neues oder gar eine sichtbare Weiterentwicklung der Künstlerin. Aber wäre das nicht auch eine Rationalisierung? Nur weil eine Platte unsere subjektiven Erwartungen nicht übertrifft, heißt das nicht, dass sie kein Lob verdient, wenn sie Emotionen hervorruft. „Liminal Soul“ ist immer noch formbar und impressionistisch genug, um unterschiedliche Empfindungen hervorzubringen, insbesondere wenn man sie in verschiedenen Umgebungen hört. Was man auf „Liminal Soul“ bekommt, ist so etwas wie eine Zusammenführung all ihrer bisherigen Alben. Die Lo-Fi-Texturen ihres Frühwerks sind verschwunden, aber die dunstigen Klangschwaden bleiben, während der jüngste Trend zu kristallinen Synthesizern und klassischen 808-Rhythmen weitergeht. Die taumelnden Drums und knallenden Synths von „Boy“ sind großartig und ihre Stimme ist von ihrer krampfhaft-emotionalen besten Seite, während „My Invisible“ vor stacheliger Energie sprudelt. 

„Storm Dancer“ ist der einzige Track, der sich von den anderen deutlich unterscheidet. Er taucht am Ende des Albums auf und ist großartiger und bedrohlicher als seine Gegenstücke. Die Unregelmäßigkeiten in Kedrina’s Musik haben es in der Vergangenheit schwer gemacht, ihre Alben eindeutig zu identifizieren. Nicht so bei „Liminal Soul“: Dieses Album, das sich auf die Verbindung mit der Natur konzentriert, fühlt sich an wie ein Stück, das allumfänglich das humanisierende Potenzial der Tanzmusik umfasst.

6.9