Katy Kirby – Cool Dry Place

Die Sängerin KATY KIRBY aus Nashville ist auf einem sehr guten Weg. Auf ihrem Debütalbum COOL DRY PLACE versucht KIRBY zu entscheiden, woran sie sich halten und was es wert ist, gesucht zu werden – lässt sich aber auch die Freiheit, hin und wieder einfach mal nur in der eigenen Fantasie zu schwelgen.

Die in Spicewood, Texas, in der Nähe von Austin, aufgewachsene Sängerin und Songwriterin Katy Kirby – die in der Kirche Ihre gesangliche Karriere startete und lange Zeit stark vom evangelischen Pop beeinflusst wurde – begann als Studentin in Nashville an ihrem ersten Album zu arbeiten. „Cool Dry Place“, dass sich mehrere Jahre im beständigen Entstehungsprozess befand und teilweise in Nashville und teilweise in ihrer Heimatstadt aufgenommen wurde, setzt aufschlussreiche Vignetten gegen ein Gleichgewicht aus sparsamen und meist knackigen, spielerischen Arrangements. Man hört sich dieses Album nicht an und denkt sofort an Popmusik in der Kirche, aber ein Teil dessen, was „Cool Dry Place“ einzigartig macht, ist die Kunst und Bedeutung, die es ermöglicht, Dinge zu beleuchten, die nicht sofort erkennbar sind. Jedes Lied enthält spielerische Wendungen, in denen geschichtete Ebenen oder sich ständig verändernde Klänge um uns herum aufgebaut werden.

Eine Handvoll Tracks, wie „Juniper“, „Peppermint“ und „Tap Twice“ erschienen auf ihrer Juniper-EP mit etwas mehr Kanten, erwecken hier jedoch neues Leben, indem sie eine komplette Band hinzufügen. „Juniper“ ist gefüllt mit lockeren Gitarren und hellen Melodien, während Percussions ein- und ausgehen. Der Track bleibt immer spielerisch, wobei die steigende elektrische Spannung des Songs fast überhand nimmt, bevor sie sich in sanft gezupfte Gitarrenakkorde auflöst. In ähnlicher Weise baut „Tap Twice“ auf subtile Weise eine sanfte Folk-Atmosphäre in einer ausgelassenen Jam-Session auf und nutzt die Begleitband voll aus, um Kirby’s leisem Gesang eine kraftvolle Präsenz zu verleihen. Ihre Songs haben eine üppige, quecksilberne Elastizität, aber dank ihrer farbenfrohen musikalischen Macken und einfühlsamen Geschichten entzieht sie sich mühelos möglicher Verflechtungen. 

Die bezaubernden Rhythmen von „Traffic!“ sind überraschende Höhepunkte, zusätzlich zu dem lauten Gitarrensolo des Titeltracks und der explosiven Euphorie von „Juniper“. Sie ist auch eine Meisterin der Stimmlage, die Wörter subtil akzentuiert, um sie einer bestimmten Stimmung anzupassen, und damit letztlich mehr Emotionen aus ihren Songs herausholt. Das sanfte Eröffnungsstück „Eyelids“ wäre ohne Kirby’s wehmütige, vielseitige Gesangsdarbietung oder den amüsanten Geschlechtswechsel („If I was your man“) nicht annähernd so wirkungsvoll. Katy Kirby hat eine Reihe fesselnder Indie Rock Pop Tracks geschaffen, die sich alle um Ihre Stimme drehen und in deren Klarheit an Sylvan Esso erinnern. „Cool Dry Place“ ist vielleicht das erste Mal, dass Kirby einen Teil ihrer Geheimsprache mit uns teilt, aber sie ist bereits jetzt eine Künstlerin, die bereit scheint, uns auch in Zukunft immer wieder neu zu überraschen. 

8.3