Kathleen Edwards – Total Freedom

KATHLEEN EDWARDS macht nach fünfjähriger Pause wieder Musik und das Warten hat sich gelohnt.

Dies ist das fünfte Studioalbum von Kathleen Edwards und das erste seit „Voyageur“ aus dem Jahr 2012. Die Singer-Songwriterin hat eine so steile Karriere hinter sich, dass sie in diese nicht beneidenswerte Kategorie von Künstlern fiel, in der Produzenten, Industrietypen und andere ihr sagten, wie sie klingen sollte und was sie als nächstes tun sollte. Es wurde alles zu schwer, um es zu tragen, und so brach sie ab und entschied sich dafür, ein mittlerweile gut laufendes kleines Café mit dem treffenden Namen Quitters in ihrer Heimatstadt Stittsville, ON Canada, zu betreiben. Wie ihr Geschäft trägt auch der Albumtitel „Total Freedom“ einen treffenden Namen – sie hat alle sogenannten Erwartungen beiseite gelegt und ihr Album so aufgenommen, wie sie es nach ihrer Zeit der Selbstreflexion wollte. Bei den Themen geht es im Wesentlichen um Belastbarkeit und neu entdeckten Optimismus.

 

Die Songs sind lyrisch entzückend und melodisch charmant. Es ist unklar, wie autobiografisch die in der ersten Person gesungenen Texte sind, und es spielt wirklich keine Rolle. Dies sind Lieder über Freunde und Liebhaber, gute Zeiten und schlechte Beziehungen, die Frische der Jugend und das Älterwerden, auf die sich fast jeder beziehen kann. Edwards’ liefert auf entzückende Weise ihre Einsichten – auch die unangenehmen. Meistens skizziert Edwards Szenarien, um sie mit nur ein paar vagen Details zu verwirklichen: dem Geruch eines Hemdes, einem Pullover, dem Namen eines Reifengeschäfts. Dadurch werden diese Symbole zu Emotionen und suggerieren dadurch weniger konkrete Objekte. 

Ihre Geschichten werden poetisch, wenn sie Einzelheiten nennt, wie in „Simple Math“, ihrer schönen Ode an die Freundschaft: „Safety pins to taper our jeans raising hell in the backseat building forts in cedar trees ice cream banana seats running wild in out bare feet.“ Diese Erinnerungen werden hier mit ungeraden Pausen in einem Atemzug gesungen, daher werden sie hier ohne Zeilenumbrüche oder Kommas geschrieben und treten wie Erinnerungen in unserem Gehirn auf. Die Gefühle sind wichtiger als die Fakten. Musikalisch bleiben die Songs in einem etwas vorhersehbaren, dahin klimpernden Mid-Tempo-Rhythmus. Während sich der langjährige Produzent Jim Bryson auf die unverwechselbaren Gesänge von Edwards konzentrieren kann, indem er sie in den Vordergrund stellt, verschwimmen die Melodien leider gelegentlich. 

Während ihr Gesang damit stark bleibt und sie sich für Themen in ihrer unmittelbaren Umgebung interessiert, hätten diese Tracks von mehr musikalischer Finesse profitieren können. So bleibt es dennoch ein bemerkenswertes neues Album, besonders wenn man bedenkt, dass Edwards seit sechs Jahren nicht mehr auf dem Radar zu finden war. Es ist so, als würde man eine alte Freundin anrufen, mit der man seit Jahren nicht mehr gesprochen hat.