Kate Nash – Girl Talk

Höre ich da gerade die Musik von The Breeders? Eine scheinbar endloser Zustand der Trägheit schleicht sich durch eigentümliche Rhythmen, bis mit plötzlicher Wucht die ahnungslosen Instrumenierungen durch auftrumpfende Gitarren gesprengt werden. Man fühlt sich tatsächlich in das Jahr 1993 zurückversetzt, als Kim Deal gemeinsam mit Ihrer Zwillingsschwester das zweite Album mit den Breeders veröffentlichte. Die Pixies waren Geschichte und so führte Deal auf eigenwillige Art und Weise dieses Erbe in Ihrer einzigartigen Persönlichkeit in das neue Jahrzehnt und letztlich hätte man der ehemaligen Bassistin der Pixies dieses Kunststück nicht zugetraut. Kate Nash ist natürlich in einer anderen musikalischen Gegend zu Hause, wenngleich ähnliche Stilmittel sich nicht verleugnen lassen. Da wären die verspielten Gitarren, die süsslichen Gesänge und die teils kindlichen Refrains, wie beispielsweise im dritten Stück ‚ Death Proof ‚. Auch das zweite Stück ‚ Fri-end? ‚ glänzt mit einer fabelhaften Direktheit, ist schnell und draufgängerisch und schreit sich dabei jede Menge Wut aus dem Bauch. „Ich habe eine Menge über die Menschen gelernt. Früher war ich wirklich naiv und vertraue Menschen zu viel. Nicht mehr.” Kate sagt, dass ‚ Girl Talk ‚ eine Art Mission und Statement darüber ist, was es bedeutet eine Frau zu sein. Als musikalische Inspiriation verwendet Kate Nash auch zunehmend den Gitarren-Sound von Link Wray. Nicht unbedingt die schlechteste Wahl. Bereits früher flirtete die Engländerin mit dem Surf-Rock Sound und platziert diesen nun auf Kosten des Pop-Aspekts vorne in die zentrale Mitte. Und damit beginnen eigentlich die vermeidlichen Probleme. Denn war der geblendete Blick in den ersten Minuten noch der Überraschung geschuldet, erkennt man spätestens während dem fünften Stück ‚ Sister ‚, dass der beständig angespannte und atemlose Gesang nicht ein einziges Mal stark oder unbequem genug erscheint, als dass er gegen das neue Rock-Gewand gebührend ankämpfen könnte. Ebenfalls störend sind die etwas versteckten Wiederholungen – zwar eingängig und einprägsam – aber mit der Zeit erzielen sie einen etwas gegenteiligen Effekt. Das wiederum ist auch ein Verdienst der überlangen Tracklist. Wirklich ein Jammer, denn ‚ Girl Talk ‚ bietet über weite Strecken ansprechende und mitreißende Melodien, sowie gut geschriebene Songs. Nur eben das Gesamtpaket wollte am Ende nicht so wirklich überzeugen und so verpufft letztlich der überraschende Aufschrei eines leicht verwirrten Mädchens wieder im musikalischen Nirvana.