Kate Davis – Trophy

Kate Davis ist ein ehemaliges Jazz-Wunderkind und taucht mit einem cleveren und von Herzen kommenden Indie-Rock-Debüt auf, das der Jugend in all ihren Qualen und kleinen Erfolgen gebührend Tribut zollt. In einer Pressemitteilung, in der ihre jugendliebende Single „Cloud“ angekündigt wurde, gab Kate Davis eine Aussage heraus, die witziger ausfiel, als sie vielleicht gedacht war. “I do not have a creepy obsession with teens,” so Ihre Worte, “merely a desire to relive some of my lost youth.” Ihr leicht humorvoller Kommentar deutete darauf hin, dass „Cloud“ nicht das einzige Lied auf Trophy sein würde, dass den Fokus auf die Teenagerjahre richtet. 

Obwohl sich diese Vermutung als richtig herausstellte, finden sich auf „Trophy“ weitaus häufiger Themen für Erwachsene, navigiert diese Themen aber mit einer äußerst geschickten lyrischen Hand, die nur wenige ihr Eigen nennen können. Doch bleiben wir zunächst bei „Cloud“. Es ist eine luftige Ode an die junge Liebe. Es erinnert an die Qual und Ekstase jugendlicher Zuneigung durch den Schleier der Nostalgie, der scharfe Kanten mildert. Die Gitarre bildet einen perfekten Kontrapunkt zu Davis’ Gesang, da beide schwerelos vor dem Hintergrund jugendlicher Erinnerungen zu schweben scheinen. 

Es ist ein Gefühl, in das man sich leicht verirren kann. Es ist warm, einladend und zuckersüß. Es wirkt im Vergleich zu den schwereren Themen des Albums wie ein schönes Stück Eskapismus. Dies steht im Gegensatz zu „rbbts“. Benannt nach einem New Yorker Café, das Davis während einer turbulenten Zeit in ihrem Leben als Zufluchtsort diente, grübelt sie über den unerbittlichen Lauf der Zeit. Sie singt: “nothing lasts forever, you can never hold on to tight/ Skin will slip away and in no time we’ll see the light.” Es ist ein Lied, in dem es darum geht, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, mit denen man konfrontiert wird und lernt damit umzugehen. 

Wenn es bei „Cloud“ darum geht, in Erinnerung zu schwelgen, geht es bei „rbbts“ darum, aus diesem Traumzustand auszubrechen und voranzukommen. Sogar wenn Davis sich für traditionellere Texte entscheidet, bleibt ihre Musik mit ihrer Handwerkskunst faszinierend. Das emotionale Herzstück von „Trophy“ ist „Daisy“. Ein packender Song, den Davis nach dem Tod ihres Vaters schrieb. Mit einem gemütlichen Gitarrentuckern fängt es auf bezaubernde Weise die Ziellosigkeit und Angst des Erwachsenwerdens ein. Davis listet Tugenden auf, die sie nicht hat: “Neither am I good nor pure, neither am I wise“, und wiederholt: “I keep fucking up“. 

Die Texte bilden eine berauschende Mischung, aber sie werden sorgfältig arrangiert und scheinen niemals mit dem scharfen Popgefühl des Albums in Konflikt zu geraten. Eine herrliche Kombination aus romantischen Metaphern und plätschernden Gitarren machen „Trophy“ zu einem süßen Trip in die eigenen freudvollen Momente der Vergangenheit.