Julia Marcell – June

Was erwartet man sich von einem Album, dessen Artwork einen Pippi Langstrumpf Verschnitt abgedruckt hat? Vielleicht aufgeweckte Kindergesänge, ein sanftes Glockenspiel in beschwingter und ausgelassener Atmosphäre? Wer an sowas dachte dem sei gratuliert. Denn exakt das erwartet uns im gleichnamigen Opener, wenngleich direkt im Anschluss auftürmende Beats, hypnotische Synthies und eine Sängerin zu hören ist, deren Stimme sich direkt in in unsere Kopf trägt und zu metrischen Strukturen, auch ein wenig die Elektronik hüpfen lässt. Das tragende Elemente auf dem zweiten Album ‚ June ‚ ist der Rhythmus, der sich besonders im zweiten Stück ‚ Matrioszka ‚ mit seiner unwiderstehlichen Leichtigkeit ein spannungsgeladenes Energiefeld entstehen lässt. Leider gilt das nur für den Refrain, doch eine magnetische Anziehung zu der sympathischen Künstlerin, die Ihren Wohnsitz nach Berlin verlegte, bleibt fast unausweichlich. „Ich musste meine kleine, heile Welt genau so verlassen, wie meine musikalisch“, blickt sie zurück, „ich wollte wissen, was der kreative Kosmos für mich noch bereithält. Dazu mussten neue kreative Impulse her.“ Und diese angesprochenen Impulse sind deutlich spürbar. Zum Einen wurde das Schlagzeug mehr in die Pflicht gerufen und zum Anderen erklingen nun Komposition, Arrangement, Instrumentierung wesentlich oragnischer als noch zu früheren Zeiten. Das bei dieser neuausgerichteten Sichtweise nicht alles aufgehen kann, erleben wir im dritten Stück ‚ Since ‚ und in ‚ Gamelan ‚. Hier bleiben die ansonsten überzeugenden Klanggebäude weitestgehend unbetreten. Ansonsten steht die Experimentierfreudigkeit klar im Fokus der Sängerin. ‚ CTRL ‚ streut eine Vielzahl markanter Details zwischen die Strophen und verliert dennoch durch die überladenden Rhythmen nie Ihre ehrliche Lockerheit. Doch insgesamt bleiben diese wälzenden Konstrukte in der Minderheit. Subtile Hintergrundmusik schickt den Hörer auf eine nachhaltige Reise und auch wenn die herausstechenden Highlights fehlen mögen, verbindet sich doch das Gesamtergebnis zu einer standhaften Einheit, die Vergleiche nicht scheuen muss.