Jimmy Eat World – Surviving

Frontmann Jim Adkins erklärte, dass ihm dieses Album geholfen hat, die Dämonen aus seiner Vergangenheit zu verarbeiten. Es ist stark, mutig und letztendlich herausfordernd. Eine Notiz von Jimmy Eat World-Sänger Jim Adkins, die zusammen mit der Ankündigung ihres neuen Albums „Surviving“ veröffentlicht wurde, war ein Frühindikator für die Schwere des zehnten Longplayers der Alt-Rock-Legenden. “I was a passenger in my own body for 36 years and never realised it,” schrieb Adkins. Er konfrontierte eine Geschichte von Selbstzweifeln und Depressionen und erklärte, wie das Schreiben des Albums ihm half, seine Vergangenheit zu verarbeiten und diese verweilende Stimme in seinem Kopf anzugehen . . “I didn’t know it because I was letting a voice inside my head tell me all sorts of lies to continue life at the minimum.  As I grew older that minimum got lower… and then lower.”

Alle kennen Jimmy Eat World natürlich wegen „The Middle“ und es gab wohl kaum jemanden, der damals nicht mitsang. Einen Mega-Hit zu haben muss cool sein, aber wenn man als Band überleben will, anstatt nur kurz zu gedeihen, braucht es mehr – und Jimmy Eat World hatten immer mehr. „Surviving“ ist der nächste Schritt und dennoch typisch Jimmy. Eingängige und knackige Songs, die eine Grenze zwischen Pop und Punk ziehen, werden mit Hooks garniert, die man bewundern muss, aber auch mit anderen Dingen, die alles frisch halten. Der Titeltrack baut auf einem großen alten Riff auf. „Don’t hide your face“, lautet die erste Zeile. Es ist also nicht allzu weit davon entfernt zu behaupten, dass Jimmy Eat World stolz sind, die zu sein, die sie sind. Sie untermauern dies mit dem absoluten Höhepunkt „Criminal Energy“.

„All The Way (Stay)“ bietet dagegen klassischen Emo-Rock-Charme, der zu „Bleed American“ passen könnte und „Love Never“ hat eines der coolsten Riffs seit „I Will Steal You Back“. Der Kontrast von „Surviving“ ist sehr gewollt. „555“ ist wieder etwas anderes. Sie haben alles bis auf einen elektronischen Beat und einige schimmernde Synthesizer reduziert. Zuerst hat man vielleicht das Gefühl, dass es nicht funktionieren soll, aber das ist nur so lange möglich, bis man feststellt, dass es funktioniert. Leider haben „Diamond“, „Recommit“ und „Congratulations“ in 6 Minuten nicht die Klasse ihrer vorangegangen Songs. Nichts dramatisches, sie driften einfach vorbei, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Das führt „Surviving“ leider zu einem etwas trüben Ende. 

Auch das absichtliche Zurückfahren von Ambitionen im Studio lässt unter atmosphärischen / ästhetischen Gesichtspunkten möglicherweise zu wünschen übrig, aber ansonsten produzieren Jimmy Eat World weiterhin hervorragend geschriebenen, wahnsinnig einprägsamen Alt-Rock. Genießen wir daher eine weitere Runde voller schöner Erinnerungen.