Jess Cornelius – Distance

Während neues Leben um JESS CORNELIUS herum entspringt, hat sie immer noch viele Geschichten zu erzählen, und dieses neueste Kapitel in Cornelius‘ unendlicher Geschichte ist wahrlich spektakulär anzusehen.

Die australische Songwriterin Jess Cornelius musste sich viel gefallen lassen; schlechte Beziehungen, enttäuschte Erwartungen, Isolation, die transmorphe Wirkung der Zeit und das kriminell unterbewertete Trauma einer Fehlgeburt. Sie behandelt all diese vergangenen Erfahrungen mit offenem Humor und schreibt Texte, die eine rohe Kraft in sich tragen, während sie Jod in diese emotionalen Verletzungen gießt und uns ihre klar gesprochenen und unkomplizierten Texte mit voller Wucht treffen. „Distance“ baut auf dem Versprechen auf, das die Sängerin auf ihrer 2017er EP „Nothing Is Lost“ gegeben hat. Cornelius’ Album wurde in Los Angeles mit Kollegen wie War on Drugs, Warpaint und Woods aufgenommen und bietet eine raffinierte Art der Selbstreflexion, die scharfe Beobachtungen kanalisiert und eine kreischende und ausatmende Katharsis mit Americana, Grunge und sogar Pop der 1980er Jahre kombiniert.

Cornelius schlüpft mit übernatürlicher Leichtigkeit in musikalische Gestalten hinein und wieder heraus und bleibt eine chamäleonische Bandleaderin, wie sie es bei Teeth & Tongue war. Sie stößt mit dem druckvollen Garage Rock von „Banging My Head“ durch einen trägen R&B Dunst für „Easy for No One“, eine Ode daran, keinen großen Sinn oder Zweck beim Erwachsenwerden zu finden. Das gedämpfte „Palm Trees“ bewegt sich in einer ähnlichen kalifornischen Brise wie Best Coast, ein Modus, der speziell auf Cornelius’ Fragen zugeschnitten ist, was beispielsweise ein neuer Wohnsitz für ihren Geisteszustand tun könnte. Doch gehört der ruhige Ausreißer von „Distance“ zu den schönsten Momenten der Platte. „Born Again“ begeistert mit Mary Lattimore und gemeinsam mit Ihrer nachdenklich klingenden Harfe zaubern die beiden Damen bei Kerzenschein einen majestätischen Anblick, der an Marissa Nadler oder sogar Sandy Denny erinnert. 

Cornelius’ erfrischende Stimme klingt plötzlich uralt und zeigt verblassende Schnappschüsse ihrer Jugend vor dem Hintergrund, dass sie sich müde und von der Zeit abgenutzt fühlt. „One of these days, I’m going to be born again“. Auch „Body Memory“ enthält einen wunderschönen und sehr melancholischen Moment. Ein losgelöster automatisierter Beat fährt langsam, während Jess über das Trauma ihrer Fehlgeburt nachdenkt und wie es sie verändert hat. “I wish it could be simple like it is for you / But my body has a memory and it won’t forget“. Und wieder ist es die Einfachheit ihrer Worte, die das Geheimnis Ihrer zerstörerischen Kraft zu Tage bringt. Cornelius’ einfache Erzählungen sind von einer nachdenklichen, meditativen Atmosphäre durchdrungen und ziehen den Teppich unter emotionalen Gewissheiten heraus.

8.7