Jazmine Sullivan – Heaux Tales

Auf ihrem vierten Album kämpft JAZMINE SULLIVAN mit allem, was durch Sex und Liebe verloren und gewonnen werden kann. Es ist ein Manifest für Empowerment.

Nach einer fünfjährigen Pause, löste die Rückkehr im letzten Jahr bei den Fans große Begeisterung aus und der Name Jazmine Sullivan verbreitete sich schnell in ganz Nordamerika. Das neue Album „Heaux Tales“ ist ihr erstes seit „Reality Show“ von 2015 und kommt mit spürbarer Erwartung, einem Durst daher, der sowohl durch die unvergleichlichen Höhen ihrer eigenen Veröffentlichungen, als auch durch das mysteriöse Verschwinden aus der Öffentlichkeit angeheizt wurde. „Heaux Tales“ ist eine göttlich konturierte, wunderbar präzise Erfahrung und ein exquisites Hörerlebnis. Als einzelne Elemente betrachtet, zählt das Songwriting zu den besten seiner Art, aber es gibt einen übergreifenden Sinn, der es „Heaux Tales“ ermöglicht, schnell einen Platz als eines der modernsten R&B Alben des letzten Jahrzehnts zu finden.

Diese Platte untersucht das Spektrum der Emotionen rund um die moderne Sexualität und die emotionalen Konsequenzen – insbesondere für Frauen mit Hautfarbe. Obwohl Sullivan’s bisherige Veröffentlichungen durchweg tiefgreifend, klug und konfrontativ waren, besitzt dieses Album einen schärferen Reifegrad und eine schärfere Aussagekraft als alles, was sie zuvor getan hat. Das Projekt ist kühn, nervenaufreibend, ermächtigend und humorvoll. Jedes Lied ist eine Vignette, die eine andere Facette der sexuellen Dynamik oder des erschütternden Schmerzes nach der Trennung darstellt. Unterstützt werden die verschiedenen Erzählungen durch Zwischenspiele der unerschütterlichen und rohen Geschichten verschiedener Frauen, die lyrisch dem nachfolgenden Song entsprechen.

Das Album beginnt mit „Bodies“, in dem sich Sullivan nach einem One-Night-Stand mit Selbstironie auspeitscht und fragt, mit wem sie da eigentlich nach Hause gegangen ist. “need to stop getting fucked up”, ermahnt sie sich über einen minimalistischen Rhythmus aus Synthesizern und schnippenden Fingern. Der Beginn dieser Platte an einem Ort des Bedauerns dient dazu, eine Grundlage zu schaffen, auf der innere Stärke aufgebaut werden kann. Als Songwriterin ist Sullivan dafür bekannt, dornige Emotionen mit offenem Mitgefühl ineinander zu koppeln und obwohl die Geschichten kurz sind, mit einer Laufzeit von etwas mehr als 30 Minuten, zeigt die Sammlung, wie Sullivan eine vollständige Konstellation von Liebe und Verlust herstellt. Der Übergang vom emotional rohen Zwischenspiel „Rashida’s Tale“ zum herausragenden Song „Lost One“ bringt eine Welt gelebter Erfahrung mit sich. 

Der Track, der als erste Single auf dem Album veröffentlicht wurde, führt uns durch die Kehrseite einer Affäre. “Just don’t have too much fun without me”, singt sie resignierend, „please don’t forget about me.” Es ist klar, dass die Frauen in Sullivan’s Liedern Herzen in sich tragen, die sehr schmerzen. In „Heaux Tales“ zeigt sie uns aber auch, wie man letztlich mit diesen Schmerzen geduldig umgeht.

9.4