illuminati hotties – Free I.H: This Is Not The One You’ve Been Waiting For

Vor zwei Jahren erschien das Debütalbum „Kiss Yr Frenemies“ von Illuminati Hotties. Das Album kam für viele von uns aus dem Nichts und war eine wundervolle Überraschung. Sarah Tudzin balancierte zwischen nervösen Power Pop und absolut verheerenden Herzschmerzzuständen. Die Platte etablierte Tudzin sofort als höchst talentierte Songwriterin. Als ihr Plattenlabel Tiny Engines in den Mittelpunkt einiger verantwortungsloser Geschäftspraktiken geriet, war Tudzin gezwungen, die Platte, und auch bisher unveröffentlichtes Material, vom Label zurückkaufen zu müssen.

Tudzin hat diesen Moment für sich seitdem als  “the most tail-between-my-legs thing I’ve ever done.” beschrieben. Diese Erfahrung und die damit verbundenen Gefühle inspirierten Tudzin, eine der besten Platten zu schaffen, die in diesem gottverlassenen Jahr herauskommen werden. „Free I.H.: This Is Not The One You’ve Been Waiting For“ ist allerdings weniger als Gesamtwerk, sondern vielmehr als ein Mixtape zu betrachten. Die Platte springt mühelos zwischen den Genres, ist voller wirklich lustiger Momente, sofort zugänglich und ungefähr die Hälfte der Tracks hier sind härtere, punkige Hetztirarden.

Dazu zählt sich auch der Opener mit dem langen Titel „will i get cancelled if i write a song called, ‚if you were a man you’d be so cancelled“. Der Titel hat kaum Zeit über einen Telefonbildschirm zu scrollen, so schnell ist dieser wieder zu Ende. In diesem kurzen Moment packen Illuminati Hotties alles, was wir über das Album wissen müssen. Und diese aggressive Natur hält ihren Finger auch beim nächsten Song, „free ppls“, hoch in der Luft. Die Mixtape-Ästhetik ermöglicht eine breite Palette von DIY-Stilen, so dass sich die tanzbaren Rhythmen von „melatonezone“ wie Hinds in ihrer stürmischsten Form anfühlen. 

Es gibt aber auch einige traditionellere Songs im Indie-Stil, die im Chaos versteckt sind. „freequent letdown“ überzeugt mit einem eingängigen Refrain, der sich in zwei Minuten gerade genug wiederholen kann, um sich im Gedächtnis festzubeißen. Das Projekt wurde in drei Wochen im Februar geschrieben, aufgenommen und dann im März abgemischt. Diese scheinbar spontane Entstehungsphase und die Tatsache, dass die Platte eher als Mixtape als als Album präsentiert wird, lassen die gesamte Bandbreite der erkundeten Klänge sehr natürlich erscheinen. 

Alles in allem zeigt das Mixtape den großen Spaß, den man beim Erstellen einer Sammlung von Songs haben kann – selbst wenn es geschrieben wurde, um aus einem Vertrag auszusteigen.