Holy Fuck – Deleter

Mit einer beeindruckenden Liste an Gästen, darunter Hot Chip’s Alexis Taylor, Nicholas Allbrook von Pond und Liars’ Angus Andrew, gleicht das vierte Studioalbum von Holy Fuck einer elektronischen Achterbahn, die verschiedene Genres, Tempi und Stimmungen vereint, um eine beeindruckend nahtlose Platte zu kreieren. Die Toronto Electro-Rock-Gruppe Holy Fuck hat es geschafft, ihre Junk-Shop-Ästhetik zu einer überraschend stimmigen Form verzerrter Popmusik zu verfeinern. Nach dem hervorragenden „Congrats“ von 2016 und der tanzorientierteren Begleiterin „Bird Brains EP“ schärft die Band ihren Fokus 2020 noch weiter. „Deleter“ wurde wie ihre vorherigen Alben aus spontanen Jams und Skizzen bei Proben und Soundchecks geboren. Zu diesem Zeitpunkt ihrer Karriere ist die Chemie der Gruppe so stark, dass die Musik von Natur aus von selbst zu fließen scheint, und sie haben noch nie so engmaschig geklungen. 

Nachdem vergrabene, verzerrte Gesänge in ihre letzten Veröffentlichungen zum Einsatz kamen, haben hier die eingangs erwähnten Gäste diesen Maschinenrhythmen eine etwas menschlichere Note verliehen. Schon beim ersten Anhören wird schnell klar, dass es in „Deleter“ viel zu entdecken gibt und dass das wiederholte Hören neue und subtile Nuancen aufweisen wird. Mit vielen Genres, die immer wieder durchbohrt und erkundet werden, bewegt sich der Hörer mehrmals auf und ab, angefangen von angespannten, basslastigen Momenten in „Luxe“ und „Moment“, bis hin zu langsameren, synthgeladenen, chilligeren Rhythmen in „Near Mint“ oder „Endlos“. Insbesondere mit „Free Gloss“ fühlen wir uns wie im Neonlicht auf einer sonnenbeschienenen Tanzfläche. 

„Deleter“ ist eine entzückende und hoch nuancierte Mischung aus pulsierenden Krautrock-Elementen, umtriebigen Gitarren, Deep-House-Traumlandschaften und motorischen Percussions. Voller Lebensfreude ist der sättigende Sound des Albums sowohl verspielt als auch turbulent.  Es ist nicht so, dass Holy Fuck eine völlig andere Einheit sind als 2005. Es ist nur so, dass sie zumindest im Studio (teilweise) zu neuen Ufern weitergezogen sind. Vielleicht passt es also, dass die ersten Worte, die wir auf „Deleter“ hören, die immer wieder faszinierende Transformation ziemlich prägnant zusammenfassen:  “I’d like to scrap all of this / And start over again”.