Hinds – The Prettiest Curse

Die spanische Garage-Rock-Gruppe Hinds baute ihre ersten beiden Alben auf Harmonien und engen melodischen Strukturen, die an die Strokes oder Black Lips erinnerten. Auf Ihrem dritten Album „The Prettiest Curse“ wenden sich Hinds dem Pop zu. In der Praxis bedeutet dies ein erweitertes Arsenal an Instrumenten und ein reduziertes Gefühl für musikalische Identität. „The Prettiest Curse“ ist glänzender als der von „I Don’t Run“ aus dem Jahr 2018, stellenweise mit höherer Wiedergabetreue und mit Synthesizern bestreut. Im besten Fall kann das Album auf Hinds bisherigem Ansatz aufbauen. Aber es ist weniger konsistent als ihre letzten beiden Alben und man wird möglicherweise das Gefühl nicht los, dass hier eine außerordentlich effiziente Maschine für ein schlankeres Modell verwendet wurde.

Die erste Single „Riding Solo“ signalisiert die neuen Ambitionen der Band mit einem stampfenden Schlagzeug in Arena-Größe und pfeifenden Synths. Der Chor nimmt den üblichen Singalong der Band und multipliziert den Hintergrundgesang, um das Gefühl einer Live-Performance zu vermitteln. Es ist sehr eingängig, gelungen und es klingt größer als alles, was die Band zuvor aufgenommen hat. Die weiteren Lieder mögen Aufregung bieten, teilen aber einen ruhigen Kern, der an das Verhalten der Hufwiederkäuer erinnert. Hirsche scheinen zahm zu sein, bis man zu nahe kommt. Hinds ist ein anderer Name für weibliche Hirsche. Wie das Tier hat auch die Herangehensweise von Hinds an die Musik etwas sanft Stürmisches. 

Die Probleme mit dem Album entspringen weniger dem, was fehlt, als dem, was vorhanden ist – die Songs klingen einfach zu beschäftigt. Die Band arbeitete mit dem Produzenten Jenn Decilveo (Albert Hammond Jr., Bat for Lashes’ Natasha Khan) zusammen und ob es ihre Entscheidung war oder die eines anderen, der fertige Mix ist unübersichtlicher als nötig. Bei „Waiting for You“ zeigt sich wieder diese verstärkende Wirkung auf den Hintergrundgesang und diesmal verschleiert sie die Chemie zwischen Cosials und Co-Frontfrau Ana Perrote, deren hin und her Gesang das Beste ist, was die Band zu bieten hat.

Trotzdem gibt es hier viel wertvolles Material. „Boy“ ist laut, hartnäckig und lustig. Es bietet eine ideale Synthese aus den ersten beiden Alben und dem jetzigen. Die spanischen Texte sind eine weitere willkommene Abwechslung, die zum ersten Mal in ihrer Musik auftauchen, beginnend mit dem pochenden Opener „Good Bad Times“. Das Vorhandensein der Muttersprache der Band hat etwas Ermutigendes. Während sich manches oft gezwungen anfühlt, wie von einem seelenlosen Plattenlabel-Manager gefordert, sprechen die Spanierinnen hier von ihrem wachsenden Komfort, neue Dinge auszuprobieren. Sie haben diesmal vielleicht ihren Sound leicht verwässert, aber zumindest kämpfen sie zu ihren eigenen Bedingungen.