Hatchie – Sugar & Spice

Als neue Künstlerin gibt es nur wenig Zeit der Bewährungsprobe. So ist es im Fall der Harriette Pilbeam – eine australische Bassistin und Singer-Songwriterin, die als Hatchie Ihr Projekt gestartet hat – entweder glücklich oder schlau, dass „Sugar & Spice“ direkt ihre Ästhetik einfängt, noch bevor der Gesang einsetzt. Ohne Frage hat „Sugar & Spice“ alle Merkmale der großen Popmusik: tolle Hooks in „Bad Guy“, Ernsthaftigkeit in“Try“ und eine Fülle der Abwechslung zum Gesang auf dem Titeltrack.

Aber es weht uns ebenso ein Hauch von Shoegaze und hallender Gitarrenmusik um die Ohren. Es gibt eine geschickte psychedelische Wehmut in „Sure“, die auch Wolf Alice und die arpeggio-getriebenen Höhepunkte der prächtigen Momente von The Smiths wiedergibt. Die meisten Popsongs über die Liebe fallen auf der Zeitlinie von Verliebtheit bis Trennung auf ein bestimmtes Extrem, aber „Sugar & Spice“ beherrscht alles dazwischen. So ist „Sleep“ ein hervorragendes Beispiel dafür. Der Chor fällt vor der 15-Sekunden-Marke ein und stapelt die Gesänge in hauchdünne Schichten.

Es ist eine inspirierte Melodie, die den Song immersiv und schwerelos macht und genau die richtige Stimmung für eine Fantasie schafft, in der dem Liebhaber all die Dinge entlockt werden, die man im wachen Leben lieber für sich behalten würde. Als letztes gibt es dann mit „Bad Guys“ brummende Synths, kombiniert mit zarten Gitarrenzupfungen, während langsame und stetige Drums sich dazugesellen und dem Song einen beruhigenden Unterton verleihen. Herrlich wie hier auch Hatchie’s ausgedehnter, karamellisierter Gesang im Refrain das Tempo aufnimmt. Die geschickte Produktion, die alles zusammenhält und das unscharfe Shoegazing gekonnt mit skurrilem Pop zu verschmelzen, ist das Endergebnis ziemlich ekstatisch.