Happyness – Floatr

Seit ihrem letzten Album, dem 2016 erschienenen Album „Write It“, haben die Londoner Lo-Fi-Slacker von Happyness ein Mitglied (Gründungsmitglied Benji Compson) entlassen und miterlebt, wie sich Ash Kenazi neben Jonny Allan vom Support-Spieler zur wilden Drag-Queen-Co-Frontperson entwickelt hat. Das Duo hat nun die dritte Platte „Floatr“ als Buchstütze für “the best and worst years of our lives” beschrieben. Und als Buchstütze mag dieses neue Album tatsächlich taugen. Aber auch nur für Bücher mit leichtem Inhalt. Denn wenn der häufig verwendete Begriff „Indie-Rock“ ein Kreis war, der zuvor um das in London ansässige Duo Happyness gezogen wurde, dann sieht das neue Album sie unverfroren an seinen Rändern tanzen.

Während Vergleiche mit den Alt-Rock-Heiligen Pavement wohl immer noch im Überfluss vorhanden sind, haben Happyness einen langen Weg von ihrem selbstveröffentlichten Debüt „Weird Little Birthday“ zurückgelegt. Der Titeltrack gibt den Ton für eine Erkundung der Selbstfindung an und lässt Hypothesen aufkommen: “Maybe it’d be much better to be irreversibly changing endlessly”. Als Genre mit einem eigenen Sinn für Coolness haben Happyness ihren lockeren Rock-Sound übernommen und beschreiten im Zehn-Track-Angebot altbekannte Pfade. Die Stimmung beginnt mit einer sanft schwankenden akustischen Nummer, die an das Lo-Fi ihrer ersten Platte erinnert, und führt zu einem orchestralen Aufbau aus minimalistischer Klaviertasten und spiralförmiger Elektronik.

Die Songs schimmern im Allgemeinen mit wackeligen Pop-Elementen aus den 90ern. Es ist eine Gänseblümchenkette milder Nostalgie aus glückseligen Gitarren, gedämpften Gesängen und kaleidoskopischen Texten. „Vegetable“, geschrieben inmitten der Trennung, ist ein Popsong, der lyrische Verweise auf Chumbawamba’s „Tubthumping“, RuPaul’s „Drag Race“ und Scientology enthält. Der Titeltrack beschäftigt sich unterdessen mit dem Kampf, mit sich selbst Frieden zu finden. Auch wenn es nicht viel interessantes zu entdecken gibt, so bleiben die vielfältigen Arrangements des Albums im Gedächtnis hängen, aber auch die beständige, seufzende Stimmung verleihen „Floatr“ in seltenen Momenten zusätzlich eine meditative und zurückhaltende filmische Qualität.