Hannah Cohen – Pleasure Boy

Die Zeiten der intimen Singer/Songwriter-Momente (aus musikalischer Sicht) hat Cohen im neuen Album ‚ Pleasure Boy ‚ größtenteils hinter sich gelassen und beeindruckt darin stattdessen mit großen Band- und elektronischen Sounds. Intensiv, verführerisch und schön präsentiert sich die Sängerin im zweiten Werk und doch ist es gelegentlich schwierig, diesen neuen Songs zu lauschen. Nicht weil die Musik schlecht wäre – ganz im Gegenteil – vielmehr erinnert es über weite Strecken an eine Art aufgezeichnete Musiktherapiesitzung. Als Hörer fühlt man sich dabei ein bisschen, als hätte man zufällig das Tagebuch der besten Freundin entdeckt. In ‚ Pleasure Boy ‚ erleben wir dementsprechend sehr intime und private Gedanken, die man unter normalen Umständen niemals ohne vorherige und ausdrückliche Erlaubnis lesen würde. Cohen hat Ihre geheimsten Gedanken für die Welt geöffnet findet in Ihrem Herzschmerz zugleich eine erneut sehr verlässliche Quelle der Kreativität. Die schiere Auswahl an Ideen finden Ihren Höhepunkt im Track ‚ Fake It ‚, wenn darin schlitternde Basslinien zu satten Streicher-Arrangements durch träumerische Welten wandeln. Ebenso beeindruckend gestaltet sich das Stück ‚ Claremont ‚, welches Schicht um Schicht wächst und doch letzten Endes seine Schönheit in der Zurückhaltung findet. Wie schon das Debüt wurde das neue Werk von Thomas Bartlett produziert, der schon für The National oder David Byrne arbeitete und nun zusammen mit Hannah dem neuen Album einen exzellenten Feinschliff verpasste. ‚ Pleasure Boy ‚ ist intim, dunkel und manchmal von einer exquisiten Traurigkeit geprägt. Ein sehr gutes Beispiel hierbei ist ‚ Watching You Fall ‚. Das abschließende ‚ Baby ‚ verwandelt dann langsam diese beruhigende Düsternis in einen meditativen Marsch nach Hause. Es ist die Rückbesinnung und die Suche nach der letzten Ruhestätte. Hannah Cohen teilt mit uns Ihre intimen Tagebuchseiten, hinterlässt im Hörer ein tief ergreifendes Gefühl und verdient hohe Anerkennung für diese Platte.