Hamilton Leithauser – Black Hours

„The summer is coming“. Bei Hamilton Leithauser klingt dieser Satz allerdings nicht wie eine freudvolle Nachricht, sondern mehr nach einer dunkel dreinblickenden Drohung. Der Sänger von The Walkmen ist für sein erstes Solowerk früh aufgestanden. Er nahm den Stuhl vor dem Klavier, rückte ihn an die passende Stelle und schmetterte daraufhin sein tiefergreifendes Eröffnungsstück ‚ 5 AM ‚ der aufgehenden Sonne entgegen. Es ist für den Hörer einer der emotionalsten Einstiege in diesem Jahr. Im zweiten Stück ‚ The Silent Orchestra ‚ präsentiert uns Leithauser ein launige Melodie, die in einem hymnischen Refrain gipfelt – komplett ohne begleitende Instrumentierungen. Ein packender Moment. Der Mann aus den Vereinigten Staaten hat zugleich die einstigen anderen vier Mitglieder hinter sich gelassen und diese zugleich in der Anzahl für das erste Solowerk weit übertroffen. Mit dabei sind hier so namhafte Künstler wie Vampire Weekend Co-Leader Rostam Batmanglij, Shins Multi-instrumentalist Richard Swift, Fleet Foxes/Cave Singers Mitglied Morgan Henderson und Walkmen Gitarrist/Pianist Paul Maroon, sowie ein kleines Ensemble an Cellisten und Violinisten. ‚ Alexandra ‚ folgt stampfenden Beats in das energetische Umfeld aus verschiedensten Schichten: Mundharmonika, Gitarre, Becken und ein rasantes Piano kreieren trotz der scheinbar fehlenden Subtilität einen komplexen Sound, der letztlich als exakter Querschnitt aus The Walkmen und Vampire Weekend angesehen werden darf. ‚ Saint Mary’s County ‚ summt daraufhin wunderschön durch das dekorierte Ensemble, ‚ I Retired ‚ ist die auffallend prächtige Doo-Wop- Auflockerung in der zweiten Hälfte, die auch innerhalb des Tracks eine faszinierende Überraschung für den Hörer parat hält. Darin übernehmen Hintergrundgesänge nach den ersten beiden Minuten die Instrumentierungen und auch Leithauser setzt eine niedliche Spitze in Richtung Elvis. Aber mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Ein Highlight dieser Platte. ‚ Black Hours ‚ bietet mit seinen orchestrierten Rhythmen, den dynamischen Gesängen, der großzügigen Produktion und der prachtvollen Stimme von Leithauser ein breites Spektrum an akustischen und elektrischen Gitarren, Klavier, Cembalo, Bass und Mundharmonika. Erwähnt sei noch Amber Coffman der Dirty Projectors, die auf mehreren Nummern die Hintergrundgesänge übernommen hat. Gemeinsam wird sich diese Star-besetzte Gruppe schon bald auf Tournee durch die Vereinigten Staaten begeben, hierzulande müssen wir uns dagegen noch ein wenig gedulden. Hamilton Leithauser hat mit ‚ Black Hours ‚ vorgelegt, Walter Martin und Peter Bauer (20.06.) von The Walkmen werden im nächsten Monat mit Ihren eigenen Werken nachziehen.

7.6