Guillemots – Walk The River

Irgendwo dort hinten ist Fyfe Dangerfield zu erkennen. Doch steht er selbst auf einem Felsen, tragen Ihn die Wolken hoch oben am nächtlichen Himmel, oder wurde durch Ablenkung des Lichtes an unterschiedlich warmen Luftschichten eine Fata Morgana erzeugt? Ein optischer Effekt, basierend auf dem fermatschen Prinzip. Nein. Es ist tatsächlich der Nachthimmel: „music to be heard across the night sky“, erklärt Sänger Dangerfield über das dritte Album ‚ Walk The River ‚ von den Guillemots. Und damit erfasst er im Grunde die expansive Schönheit der befindlichen Tracks und kehrt daher mit großem Eifer für noch größere Emotionen zurück. ‚ Walk The River ‚ ist reich beladen mit dramatischen Bildern, prächtigen Songs, verwaschenen Gitarren und abgefahrenen Synthies. Es verfolgt die Richtung der psychedelischen Musik, quietscht zu den Klängen und trägt alles zu einem wunderschönen Kunstwerk zusammen. Ein Kunstwerk, dessen Klang dichter als bei früheren Alben ist, Zurückhaltung zeigt und nur langsam in eine unübersichtliche Spieldose eintauchen mag. Doch blicken wir zum Debüt ‚ Through the Windowpane ‚ der Guillemots. Es brennte durch die Fensterscheiben, die vielen Einflüsse aus Rock, Folk, Pop und Jazz machten es zudem schwer, die Band in eine Richtung zu positionieren. 2010 veröffentlichte Fyfe Dangerfield sein Solowerk ‚ Fly Yellow Moon ‚ mit akustischen Liebesliedern, verfasst in einer überraschend konventionellen Art und Weise. Doch nun hat sich manches verändert und müsste man den Opener ‚ The Basket ‚ mit einem anderen Stück vergleichen, man würde unweigerlich an die Musik von Brandon Flower denken. Die Stimmung ist ähnlich üppig und zieht Ihre Bahnen in einem romantischen Epos. In ‚ Vermillion ‚ triumphiert das gesangliche Talent von Dangerfield und Schwarzmaler huschen bei diesem Anblick lieber schnell in Deckung. Während sich die früheren Arbeiten von Guillemots noch nie zu weit von der poppigen Seite verirrten, scheint es bei ‚ Walk The River ‚, dass man dieses Mal den einen Schritt weiter ging und damit das bisher ansprechendste Album kreieren konnte. Trotzdem darf jedoch nicht vermutet werden, dass ‚ Walk The River ‚ in irgendeiner Weise eine gewöhnliche oder zahme Version ist. Es besticht durch Erfindungsreichtum und durch ein optimistisches wie auch bereichenders Ambiente. Doch kehren wie am Ende nochmals zu ‚ The Basket ‚ zurück: Denn dieser Song ist unglaublich lebendig und vermittelt ein herrliches und sprudelndes Indie-Rock-Gefühl. Es umschmeichelt das bereits bestehende faszinierende musikalische Repertoire des Albums und glücklicherweise befinden wir uns selbst gerade in den wärmsten Monaten des Jahres. ‚ Walk The River ‚ kam exakt zum richtigen Zeitpunkt. Ein Album – wie für den Sommer geschaffen.