Glasvegas – Glasvegas

Nun sind Glasvegas also endlich angekommen, hoch oben auf den Wolken sitzen Sie und blicken auf Ihre lange Reise zurück. Ein Spalier aus Journalisten und Presseleuten, der NME durfte natürlich auch nicht fehlen, standen Schlange um bei dem Werdegang der jungen schottischen Band hautnah dabei zu sein. Zugeben: Bands die im Vorfeld bis dort hinaus gehypt werden, riecht man meistens schon mehrere Kilometer im Voraus an Ihrem typisch sauren Geruch. Wenn langsam die Angst hochsteigt, die kreativen Gedankengänge und sprudelnden Ideen auf einmal im Inneren stecken bleiben und langsam die Frage aufkommt, was die Menschen dort draußen von einem erwarten und verlangen. Der Erwartungsdruck steigt natürlich von Tag zu Tag und hat schon so manche hoffungsvolle Newcomer noch vor dem großen Aufstieg wieder in der Versenkung verschwinden lassen. The Rascals Frontmann Miles Kane hat es mehr oder weniger auf grazile Weiße geschafft diesen enormen Druck, der nach gemeinsamer Zusammenarbeit mit Alex Turner und Ihrem Projekt The Last Shadow Puppets fast himmelhoch durch die englischen Regenwolken Stoß, die kalte Schulter zu zeigen. Ein kleiner aber bedeutender Zusatz, der schnell unterschätzt werden kann. Glasvegas galten als die große Hoffnung in Schottland nach Franz Ferdinand und nun endlich die gute Nachricht, die Sicht ist frei, die vier Schotten sitzen auf Ihren weißen Wölkchen und freuen sich über ein gut gelunges Debütalbum, das nach den stressigen Aufnahmen erstmal für wenig Ruhe sorgen wird auf Seiten der Presse. Für Glasvegas geht es jetzt natürlich erst richtig los, nachdem Sie die Erwartungen auf der gleichnamigen Platte ‚ Glasvegas ‚ mühelos erfüllen konnten, müssen Sie nun Ihr Talent auf der Bühne unter Beweis stellen. ‚ Flowers And Football Tops ‚ ist hierfür der perfekte Opener, der wohl auch bei den Auftritten voll und ganz seinen Zweck erfüllen wird. Hier wird klar auf die Tränendrüse gedrückt, Songs verpackt in gewaltigen Lärmkaskaden, dazu ein fast schüchtern klingender James Allan, der dennoch in den zehn Songs der Zentrale Punkt ist. Hierhin strömt das Getöse, die Leidenschaft, die guten Melodien, die Raffinesse und das ausgefeilte Songwriting. Der Sound klingt dabei oftmals nach The Jesus and Mary Chain, süßer Pop wird mit Shoegaze Gitarren in Perfektion verbunden. Während nun die einen Glasvegas in den Himmel loben, wird die andere Seite nur verächtlich abwinken. Seichte Melodien, wenig Nachhaltigkeit und phantasielose Stücke die alle mehr oder weniger gleich klingen, sorgen nach dem dritten Durchlauf für Ermüdungserscheinungen. ‚ Stabbed ‚ kann da glücklicherweise für die überzeugende Gegendarstellung sorgen. Mit der Mondschein Sonate von Beethoven unterlegt, bestreitet es seine ganz eigenen Wege auf der Platte und schafft nochmal frischen Wind für die Endphase. Dennoch reicht es nicht zu der ganz großen Überraschung, die besonderen Momente sind zu spartanisch gesät und bei vielen Stücken weiß man nach zwei Minuten wie sie enden werden. Glasvegas setzen mehr auf die langsam aufsteigenden Melodien, wie in dem Abschlusssong ‚ Ice Cream Van ‚. Erst ab Minute Vier beginnen die Gitarren bedächtig Ihren Anstieg nach oben und bringen zumindest diese einzigartige Stimmung auf ‚ Glasvegas ‚ unversehrt an Ihren Anfangspunkt zurück.

7.0