Gaggle – From The Mouth Of The Cave

Es bleibt eine schwerwiegende Angelegenheit, das Eröffnungsstück ‚ The Cave ‚ in irgendetwas einzuordnen. Immerhin singen hier 21 Frauen aus allen Ecken und Enden, fantastische Erzählung überfluten den Hörer mit Feminismus, Gier, Macht, Geld und der Hierarchie. Infektiös und sicherlich eines der anspruchsvollsten Alben der letzten Jahre. So lässt sich das Debütalbum ‚ From The Mouth Of The Cave ‚ wohl schlussendlich am Besten definieren. “The point was not to make something sweet like a choir – but something like a football stadium, where you get power with numbers. To put a different kind of girl on a stage and masses of them. It’s going to get attention.” Und spätestens mit dem zweiten Stück ‚ Army Of Birds ‚ ist Ihnen diese Aufmerksamkeit gewiss. Ein verdrahtetes Etwas stampft durch die Parallwelten eines Popsongs und im Einklang mit den nebeligen Schwaden jenseits der bekannten Melodien hinterlassen Gaggle einen äußerst draufgängerischen Eindruck. Ein Umschwung erfolgt allerdings ziemlich unvermittelt mit dem dritten Stück ‚ Power Of Money ‚, die Rhythmen rutschen erstmals in den Vordergrund und bei ‚ Happy Is The Country ‚ scheinen diese dann mit Nachdruck für eine gewisse Verwirrung zu sorgen. Gaggle taumeln durch nervöse und zerfahrene Gesänge, die Beats stürzen in eine trügerische Wahrnehmungphase, in der Nuancen und die Subtilität auf Abstand gehen. Glücklicherweise sammelt sich die Platte relativ flott und beweist in ‚ Gaslight ‚ wie verrückt das geordnete Chaos aussehen kann, wenn der Blick für das Gesamte nicht verloren geht. Nicht zu vergessen seien an dieser Stelle sämtliche Stimmen, deren kreischende Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, lediglich durch eine elektronische Düsternis die lebensnotwendige Ablenkung erfahren. Mit ‚ Liars ‚ kehren wir zu den bekannten Mustern zurück und geraten in einen gedanklichen Strudel voller Zweifel und Unsicherheiten: „How can I tell if my man’s a liar?“ / „Tie his fists together, throw him in the river…put the fear of god in him“ / „And what if I find out that my fears are true?“ / „Then he didn’t deserve you“. Die sicherlich eingängigste Nummer ist ‚ Bang On The Drum ‚ und damit wäre man als Hörer mit den nennenswerten Tracks auch durch. Denn der Schlussakt schwächelt ganz gewaltig und fühlt sich wie eine frühzeitige Beerdigung an – der Körper gestorben, der Geist noch am leben. Aber unabhängig davon bleiben Gaggle etwas Frisches, irgendwie wirkt Ihr Debüt auch unbeholfen, doch die Faszination ist überwältigend – das Einzigartige ist am Ende die schiere Originalität und natürlich auch die verhüllten Gesichter der 21 Frauen…