Freddie Gibbs & The Alchemist – Alfredo

Erst letztes Jahr erhielten wir „Bandana“, die zweite Zusammenarbeit zwischen Gibbs und Madlib, bei der er sich der dunklen Seite seiner Person stellte. Weniger als ein Jahr später überreicht uns Freddie Gibbs eine Überraschungsveröffentlichung in Form von „Alfredo“. Das Album ist eine weitere Zusammenarbeit zwischen ihm und The Alchemist nach der Veröffentlichung von „Fetti“ aus dem Jahr 2018. „Alfredo“ ist der Beweis – wenn überhaupt noch mehr Beweise benötigt werden – dass Gibbs seine Hand auf nahezu jede musikalische Partnerschaft gewinnbringend legen kann. Ob es nun an der offensichtlichen Leidenschaft und Präsenz im Zentrum seiner Musik liegt oder einfach an seiner Fähigkeit, Projekte auszuwählen die für ihn funktionieren, Gibbs kann sich jetzt eines Erfolgsmusters rühmen, das nur wenige erreichen können, und viele beneiden.

In großen Zügen ist „Alfredo“ ein Album, das sich durch eine obsessive Pflicht gegenüber der Vergangenheit des HipHop auszeichnet, verbunden mit einem intensiven Bedürfnis nach Innovation. Das eröffnende „1985“ ist ein Beispiel dafür. Es behält die Art des Retro-modernen Sampling und der Produktion bei, die wir von einem Gibbs-Track erwarten können, während er Prominente wie Joe Exotic oder Pesci namentlich auswählt. Offensichtlich hat er seinen Sinn für das Absurde nicht vergessen. Zum Beispiel hat Gibbs es immer geschafft, die dunkleren Erfahrungen schwarzer Menschen in Amerika einzufangen und auch „Alfredo“ lehnt sich daran an. Die Erklärung zu Beginn von Scottie Beam von “Yeah, the revolution is the genocide / Look, your execution will be televised” schien noch nie so prophetisch wie jetzt.

Es ist auch eine Platte, die sich auf die einzigartige Symbiose zwischen Künstler und Produzent, zwischen dem Rapper aus Gary, Indiana und dem langjährigen Freund The Alchemist stützt. „Alfredo“ zeichnet sich in jeder Hinsicht aus, eine Platte, die den Durst nach frischer Innovation mit einer fast beispiellosen Liebe zur HipHop- und Rap Musik verbindet. Und da sich letztlich keiner von Beiden mit der Aussicht zufrieden geben will, dass dies ihre letzte Zusammenarbeit ist, dürfte „Alfredo“ wahrscheinlich nur ein Vorgeschmack darauf sein, was sie gemeinsam noch alles erreichen können.