Foals – Everything Not Saved Will Be Lost Pt. 1

In einem Jahrzehnt, das sich der musikalischen Eindeutigkeit entzogen hat, sind die Foals aus Oxford wohl die Band, die modernen Alternativrock am besten verkörpert. Ihr Ton ist amorph, zukunftssynthetisch, ihre Adern pulsierend und organisch. Sie nutzen die Möglichkeiten der neuen Technologie mit der gleichen Geisteshaltung, wie sie alte Rezepte mit neuen Ideen beleben. Ihre Songs sind polyrhythmischer Next-Gen-Rock, der die meisten anderen Gitarrenbands so veraltet erscheinen lässt. Die Foals klingen grenzenlos. Die perfekte Band, um das hochmoderne Durcheinander von 2019 zu analysieren. Über die zehn Tracks taucht es in jeden Winkel der Klanggeschichte der Band ein und man sieht, wie groß die Fortschritte dabei ausgefallen sind. 

Die erste Single „Exits“ konfrontiert uns mit der Angst und Paranoia einer Generation im Klimawandel mit einer klobigen, aber verspielten Instrumentierung. Das herausragende „White Onions“ ist genauso nervös und jugendlich wie „Antidotes“, nur mit weiseren Gesichtszügen. „On The Luna“ ist ebenfalls eine Rückkehr zu den schiefen, flinken Haken von „Antidotes“, aber mit einem viel reicheren Klang. Das Lied mit dem ursprünglichen Titel „End of Days“ bietet keine Lösungen, spiegelt aber die Angst wider, dass jemand zuschaut, wie die Welt auseinander fällt. “Won’t you come emancipator?”, fragt Yannis. Es scheint unwahrscheinlich.

Bei den Ausgängen wird der Klang eines Klaviers von sauberen Schnellfeuertrommeln und einer Bassline unterbrochen, die für die nächsten sechs Minuten in unseren Köpfen schwirrt. Mit dem wehmütigen Schluss „I’m Done with the World (& It’s Done with Me)“ nähern sich die Foals dann noch der atmosphärenlastigen Indie-Rock-Architektur von Bands wie Everything Everything und Alt-J an. Es ist eine dystopische Vision, die mit jeder Hitzewelle im Februar immer realer wird und alles, was nicht gerettet wurde, geht verloren. Teil 1 ist der passende Soundtrack dazu. Der asymmetrische frühe Mathe-Pop verschmilzt mit der Deep Space-Atmosphäre von „Total Life Forever“ und „Holy Fire“. Hinzu kommen Neuerungen wie Ambient, EDM und Afro-Pop. Sie haben ein inspiriertes Album mit brandneuer Musik kreiert, die einfach alles miteinander verbindet.