Flying Lotus – Flamagra

Einige Zeit hat man es versucht, Flying Lotus irgendwie zu klassifizieren. Es war vergebens. Flying Lotus ist praktisch sein eigenes Genre. Seit dem Debüt im Jahr 2006 erforscht Steve Ellison die wenig bekannten Pfade kosmischer afroamerikanischer Musik und kombiniert diese mit der technischen Raffinesse einstiger Warp-Vorfahren wie Squarepusher. Nachdem Flying Lotus die musikalischen Koordinaten für eine Generation wegweisender Künstler festlegte – darunter BADBADNOTGOOD, Kendrick Lamar und der langjährige Mitstreiter Thundercat – wurde er praktisch zur Hebamme einer kulturellen Bewegung, die ihn Mitte des Jahrzehnts plötzlich übertrumpfte. Für einen Künstler der daran gewöhnt ist auf dem neuesten Stand zu sein, kann es eine Herausforderung sein, im eigenen Spiel überholt zu werden.

„Flamagra“ ist ein verzerrendes Gospel-Album. Von der Eröffnungsbeschwörung „We are now joined together again in this space that you’ve created”, über Anderson Paak’s patentierte Schreie „Yes Lawd!“, bis hin zu Solange’s leidenschaftlichem „Alleluya!“, bringt es uns das Gefühl von Menschen, die hier zusammenkamen, um etwas Größeres als sich selbst zu feiern. Das von der Orgel geleitete „Takashi“ kreiert das Bild eines Priesters, der seine Gemeinde in spirituelle Ekstase versetzt, obwohl es sich um ein vollständig instrumentales Stück handelt. Weitere Instrumentals sind zwar ganz nett, aber  überflüssig („Capillaries“, „Pygmy“). Doch glücklicherweise stören sie den Flow dieses wirklich großartigen Albums nicht und beschreiben damit ein weiteres sehr spannendes Kapitel in der großen kosmischen afroamerikanischen Musik.

 

8.1