Flairs – Sweat Symphony

Man hätte es auch erahnen können: Dieser Mann macht keinesfalls sanfte und melodische Popmusik. Auch wenn der erste Blick auf dem Cover den Betrachter in die Irre führen möchte. Was einen tatsächlich auf dem Debüt von Flairs erwartet sind dunkle und zugleich melancholische Electro-Stücke im Off-Beat-Pop aus dem schönen Frankreich. Aufgenommen wurde die Platte bei dem Label Third Side Records, die unter anderem auch Steeple Remove unter Vertrag haben. Cockney lebt derzeit in Paris und begann seine frühe Karriere als Bassist von Ben’s Symphonic Orchestra, die zwei Platten veröffentlichen sollten. Danach folgten einige Tourneen um den Globus mit etablierten Bands wie Mellow, Alex Gopher, Benjamin Diamond oder den Hush Puppies. Doch Cokney wollte irgendwann selbst die Musik bestimmen und besetzte in London ein Atelier, in dem in kurzer Zeit einige Tracks erstellt wurden und auf der EP ‚ The Non PC EP ‚ zusammenflossen. Zynische Electro-Stücke im maßgeschneiderten Gewand tanzten zu grundlegendem Indie Rock, der sich ebenfalls auf seinem nun erscheinenden Debüt in voller Gänze wieder finden sollte. ‚ Better Than Prince ‚ veranschaulicht seinen Stil wohl am Besten. Produziert von Etienne De Crécy und Alex Gopher klatschen knackige Beats auf laute und wuchtige Bässe in künstlicher Synthie-Atmosphäre, die sich schlussendlich wie ein warmer und erfrischender Regen über das Szenario ergießen. Bei dieser Fülle an kreativem Gedankenfluss war es auch keine Überraschung, dass sich der Track ‚ Truckers Delight ‚ auf dem Sampler von Soulwax neben MGMT, Das Pop und den Chemical Brothers wiederfand. Insgesamt vereinen sich auf ‚ Sweat Symphony ‚ eine Vielzahl verschiedener Stile mit Schwerpunkt auf klassischem Pop und elektronischer Musik. „I like both styles, I love guitars, fat basses, and electronic sounds. That’s the color of the album“. Klassische Popmelodien auf Stücken wie ‚ French Cowboy ‚ und ‚ Golden Years ‚, dröhnende Electrobeats mit tiefsitzenden Vocals auf ‚ R.E. Balls ‚. Den beschaulichen und würdigen Schlusspunkt einer aufschlussreichen Fahrt setzt schließlich ‚ Golden Years ‚ mit seinen verzerrten Gitarren. Es ist ein ganz eigenes Universum, in dem wir uns die Zeit auf ‚ Sweat Harmony ‚ über befinden. Fließende Übergänge, die dezent in den Scheinwerfer rücken und damit Zeitlosigkeit im allerbesten Sinn erschaffen. Eine Platte, die höchstens nach dem Anfang ein wenig den Faden verliert, aber ansonsten mit einer perfekten Inszenierung aufwarten kann und bereits jetzt die Lust auf weiteres Material von Flairs im höchsten Maße versprüht. Und damit soll es laut eigener Aussage auch gar nicht mehr lange dauern: „A very quick second album, made with friends in two weeks in a country house!“ Na dann sollte die nahe Zukunft erstmal gesichert sein.