Ezra Furman – Twelve Nudes

Das mittlerweile achte Studioalbum des Songwriters Ezra Furman wurde gemeinsam mit Trevor Brooks aufgenommen und von John Congleton abgemischt. Wenn es in der Selbsthilfe oft nur um positives Denken geht, hat Ezra Furman eine andere Idee: Man findet die benötigte Hilfe im Gegenteil, wenn man die schlimmsten Gedanken äußert. Tatsächlich erforscht „Twelve Nudes“ dies mit einer atemberaubenden Wendung durch Angst, Schmerz und gesellschaftspolitischen Missständen. Vom israelisch-palästinensischen Konflikt „Rated R Crusaders “ zu sexuellen Überfällen in „Trauma“ – musikalische Grundlage dafür sind herrlich schrottige Rockhymnen. Wenn die Welt um uns herum in Scheiße untergeht, dann ist nach Ansicht von Furman das Schreien manchmal die einzig vernünftige Reaktion.

„Twelve Nudes“ ist das rote Blut eines Mannes, der durch den Zustand unserer politischen und emotionalen Dissonanz frustriert, verwirrt und zutiefst gequält ist. Das eröffnende Stück „Calm Down“ (auch bekannt als „Calm Down aka I Should Not Alone“) schreit nach Einsamkeit, Verzweiflung und nach bitterbösen Männern in Anzügen, die uns zur Unterwerfung zwingen. Eingängige und wütende Adrenalinstöße bietet dieses Stück und zugleich das Beste von allem, was Punk zu bieten hat. All dies ist in nur zwei Minuten und zweiundzwanzig Sekunden abgehandelt. Es ist das klangliche Äquivalent einer hastig gedehnten Leinwand, die mit einer Palette roher Wahrheit bespritzt ist. Die Farbe wird eher durch physische Reaktionen als durch intellektuelle Bedenken verbreitet.

Eilig in Oakland, Kalifornien, aufgenommen, entfalten sich die 11 Songs in weniger als 26 Minuten. Es ist eine emotional aufgeladene Anerkennung der Schmerzen und Leiden der schwächsten Menschen der Welt und eine Anklage gegen die Missbräuche der Mächtigsten. “I want to be a force to revive the human spirit rather than crush it, to open possibilities rather than close them down,” so seine Worte. “Sometimes a passionate negativity is the best way to do that.” Das Album schließt mit der rhetorischen Frage: „What Can Do But Rock’n’Roll?“. Für einen durch Musik geretteten Songwriter ist dies eine Lebensquelle und für eine Gesellschaft ohne Grundrechte ist dies ein letzter roter Faden. Und eines Tages wird hoffentlich keiner dieser Faktoren mehr von Bedeutung sein.