Erik & Me – Versteck

Die neue Platte von Erik & Me ist ein zweischneidiges Schwert. Die zwei Kanadier, die zwei Frauen und Erik Lautenschläger führen womöglich so manchen Hörer auf die falsche Fährte: Will man lieber klassisch von links nach rechts hören, oder liegt die Vorliebe darin, selbst den ersten Song auf ‚ Versteck ‚ bestimmen zu wollen? In jedem Fall können die gewonnenen Eindrücke variieren. Der Opener ‚ Schreien ‚ ist ein düsteres Stück, die Strophen wirken deutlich ausgereift und ausdrucksstark. ‚ Einsam ‚ dagegen hat mit dem anfänglichen Beginn und seinem traurigen Piano nur noch wenig gemeinsam. ‚ Sonderbar ‚ ist das jedoch das passende Zwischenstück und ‚ Genug ‚ führt die klare Linie der Berliner Band auf die Zahl Fünf zurück. Keine gerade Zahl? Im Fall von Erik & Me irgendwie dann doch schon. Die Platte verschwendet keine Zeit mit Nebensächlichkeiten und vermittelt auch einen differenzierten Gesamteindruck gegenüber dem letzten Werk ‚ Hundersechzig Zeichen ‚. Die Sonnenschein-Rhythmen sind einer tiefhängenden Melancholie gewichen, wenngleich der liebenswerte Charme nichts an seiner Überzeugung verloren hat. Inspiriert vom amerikanischen Indie der achtziger Jahre, erlernen die Texte interessante Aspekte und verschönern diese mit munteren Farbtupfern. Tief hängen die regnerischen Wolken im Song ‚ Zu Groß ‚ auf die Hauptstadt herab. Es wird langsam dunkel um die zwei Kanadier, die zwei Frauen und Erik Lautenschläger. Doch für überraschende Wendungen und kleine Versteckspielchen haben Erik & Me definitiv so einiges übrig. ‚ Herbst ‚ pustet wieder trübselige Stimmungslagen konsequent aus unseren Köpfen und ist eine leichtfüßige Indie-Nummer, die auch gerne öfters in Rotation versetzt werden möchte. Insgesamt spielt ‚ Versteck ‚ mit den Gedanken seiner Hörer, manipuliert und bleibt doch ehrlich. Es ist ein schönes und ausdrucksstarkes Album geworden. Es zeigt, wie wunderschön doch deutsche Musik sein kann und welches Potential verborgen in Ihrem Inneren schlummert.