Enik – I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece

Lecker: Pizza Funghi. Der knusprig-dünne Boden, die reichhaltige Auflage und ausgewählte Zutaten. Eines ist klar, unwiderstehlich für alle die wie es in der Pizzeria mögen. Belegt mit sonnengereiften Tomaten, saftigem Käse und aromatischen Champignons mit Mozzarella und würzigen Kräutern. Wer hat nun keine Lust auf eine Pizza bekommen? Menschen deren erhobene Finger zu Ihnen gehören – nun bitte den Saal verlassen. Für den Rest die Aufklärung: Leider gibt es nun keine Gratis Pizza für alle, denn vielmehr hat mich der Plattendruck auf dem neuen Werk ‚ I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece ‚ dazu verleitet, an ein schmackhaftes Abendessen zu denken (die Idee hatten auch die Ärzte im Jahr 2007 – aber wen interessiert es?). Dazu Kerzenschein und eine gute Flasche Wein? Vielleicht. Doch spätestens ab hier, würde die gutaussehende aber dennoch strenge Lehrerin eine ungenügende Zahl wegen Themaverfehlung in Ihr Notenheft eintragen. Soll das eine Rezension sein? Also zurück zu einem Künstler der großes Gefallen daran gefunden hat, selbstgebaute Rahmen mit seiner stilistischen Vielfalt in bunten Kreationen in die Luft zu jagen. Detonationen und aufwirbelnde Sprengungen inbegriffen. Und wenn sich der rauchende Staub und die beißende Luft verdrückt haben, bleibt am Ende ein Ausrufezeichen hinter dem Namen Enik stehen. Enik kommt aus München, trägt ein weißes Unterhemd, manchmal auch einen Anzug und färbt sich seine Haare gerne in der schicken Farbe Neon-Grün. Zumindest gibt es diesen jungen Mann in seiner aktuellen Single ‚ Anti Anti Anti ‚ so zu bewundern. Der schrille Indie-Pop des Münchners macht Alarm. Hält dazu einen Dauerlutscher in der rechten Hand und ein kleines Schoßhündchen in der Linken. „Don’t limit the blue sky/ Thunder lightning everything/ There’s a storm going on“, ertönt es dort in den einleitenden Textzeilen und In den Gedanken wird nur ein Wort in endloser Reihenfolge an die Innenwände der Gehirnwand tätowiert: „anti anti anti!” Ungeheuer intensiv und eindringlich begegnen uns diese Minuten, doch auch die anfänglichen Songs ‚ How To Trash Expensive Cars ‚, ‚ The Monkey Wheel ‚ und ‚ Share Your Fucking Light ‚ versprühen eine massive Energie, zeugen von Authentizität und dienen schlussendlich lediglich dem Willen einen willkürlichen Bruch zu erzeugen. Denn das vierte Stück ‚ People Are Bad ‚ ist eine traurige Ballade zwischen ehrlichen Gefühlen und aufopfernder Liebe. ‚ The Place My Songs Come From ‚ begegnet uns melodiös und hält das hohe Niveau der neuen Platte. Danach wird es allerdings merklich spartanisch im Topf der verdrehten Ideen. Enik gönnt sich eine sichtliche Pause und sieht auf den Mittelteil seines Album mit trügerischer Gelassenheit. Schade drum, wirkt damit auch das Cover ‚ Close To Me ‚ von The Cure mehr als der Versuch wieder ein wenig Schwung in die angestaubte Bude zu bringen – als die neurotische Version eines Klassikers, deren Interpretation auf die einfache Sicht gesehen durchaus gelungen wäre. So kann zumindest noch ein emotionaler Schlussakt im Stück ‚ Get Me Laid In San Francisco ‚ auf sanfte Art und Weise verzaubern und hinterlässt für den Moment zufriedene Hörer, die Stärken auf ‚ I Sold My Moon Boots To A Girl From Greece ‚ aber sehr deutlich in der ersten Albumhälfte ausmachen werden. Hier ist der umtriebige Künstler voll in seinem Element, verblüfft durch seinen extrovertierten Gesang, das schrille Auftreten und verdeutlicht zugleich den Umbruch einer Platte, die Enik selbst produziert und in seinem Studio eingespielt hat. Doch das viele Schreiben hat jetzt endgültig hungrig gemacht – eine Pizza Funghi bitte!