Ellie Goulding – Brightest Blue

In Zusammenarbeit mit Starsmith veröffentlichte Ellie Goulding 2010 ihr Debütalbum „Lights“ und beleuchtete beide Seiten des Atlantiks mit ihrem heiseren Timbre und dem Folk-angehauchten Electropop. Ihre Single „Lights“ bleibt Goulding’s meistverkaufter Song in den USA. Seitdem gab es zwei weitere Alben von Goulding, das dramatische „Halcyon“ und das nuancierte „Delirium“. Diese wurden durch ein paar Soundtrack-Auftritte unterbrochen und durch viele hochkarätige Kollaborationen. Was Goulding schon immer von ihren Kollegen unterscheidet, ist, dass sie die lebhafte lyrische Sensibilität von Joni Mitchell und Kate Bush besitzt und dies mit den Hit-Making-Fähigkeiten ihrer Zeitgenossen wie Lady Gaga und Taylor Swift verbinden kann. Auf ihrem vierten Album „Brightest Blue“ hat Goulding beide Seiten zusammengeführt und so ist die erste Hälfte persönlicher und verletzlicher, während Seite B die Popgöttin in Ihr zum Vorschein bringt.

„Power“ pocht unauffällig, bevor es zu einem Refrain purer Pop-Perfektion aufblüht. „Bleach“ hingegen ist zunächst spärlich arrangiert und behält dank seiner subtilen Gitarre und der Ebenen aus Synth und Streichern ein Gefühl von Wärme. An anderer Stelle ähneln solche wie „Cyan“, „Wine Drunk“ und „Overture“ eher Vignetten als etablierten Songs. Dies trägt nicht nur zur Nuance und Eigenart des Albums bei, sondern auch zu seiner Tiefe und Reife. Und es ist eine ausgereifte Platte, die nicht nur jede Facette von Goulding’s Emotionen untersucht, von ihrer verletzlichsten bis zu ihrer belastbarsten, sondern sie auch akzeptiert. Hier nehmen Goulding und ihre Kollaborateure ihre eingängigen Pop-Hooks und verbinden diese mit Nu-Soul, während sie der Sängerin Raum geben. Mit all dem könnte das Doppelalbum „Brightest Blue“ Goulding’s bestes und vollständigstes Werk sein, ein verliebtes Durcheinander von Emotionen auf einer Masse lebendiger Klanglandschaften, die sich als atmosphärischer R&B und seltsamer, ansteckender Pop tarnen.