Doldrums – Lesser Evil

Nach dem Intro fallen wir umstandslos auf die europäischen Bühnen, wandeln dort für ein paar Sekunden herum, bevor sich die Wege von Doldrums dann erneut spalten und man selbst plötzlich inmitten der Noise-Musik-Hochburgen in Montreal, Toronto, New York und Baltimore steht. Die Wege des Herrn sind unergründlich. Doldrums ist Airick Woodhead und dieser veröffentlicht in diesen Tagen mit ‚ Lesser Evil ‚ sein ausgeflipptes Debütalbum auf Souterrain Transmissions. Bereits im vergangenen Jahr sorgte der junge Kanadier beim SXSW für ordentlich Wirbel und begeisterte dort mit seiner Live Show (inklusive zwei theatralischer Mitmusiker). Ein paar Monate später folgte mit ‚ Egypt ‚ die erste Singleauskopplung und darin erklärt sich wie selbstverständlich, weshalb Woodhead auch gerne als „poly-pop electronic artist“ bezeichnet wird. Ein Song voller Millionen Ideen. Wie unter Drogeneinfluss hüpfen die Beats mit vernebelten Blick durch die dynamischen Rhythmen, während psychedelische Haken und tanzbare Melodien ein beeindruckendes und zugleich unheilbringendes Epos basteln, das sich letztlich in seiner gesamten Schönheit als wahrer Dancefloor-Knaller entpuppen sollte. Ein ungeheuerliches Gefiepe und Gepiepse erwartet den Hörer im dritten Stück ‚ She Is The Wave ‚ und man selbst hat es ziemlich schwer in diesen Minuten, den akustischen und optischen Rückmeldungen in Gänze folgen zu können. Da ist ‚ Sunrise ‚ die reinste Wohltat für die geschundenen Hörnerven. In einer himmlischen Umgebung und mit eptischen Gesängen verfeinert, lässt Doldrums geistige Schwärmereien vor unseren Augen entstehen und hinterlässt ein Ich-will-mehr-davon in den eigenen Gedankengängen zurück. ‚ Holographic Sandcastles ‚ wirkt dann allerdings viel zu überladen und da können auch die melodischen Gesänge von Sami Nacomi nichts zur Besserung beitragen. Das Stück wirkt teilweise auch regelrecht orientierungslos und so freut man sich, wenn ‚ Live Forever ‚ die verdiente Erholung weitergeben und trotz der eigenen geistigen Verwirrung erneut den Pfad des Rechtschaffenden aufgreifen kann. Zwar bleibt es am Ende ein Rätsel, wie es Airick Woodhead in der steigenden Paranoia geschafft hat sich dort so stilvoll herauszuwinden, aber vermutlich haben Ihm dabei die vielen analogen und elektronischen Vorschaltgeräte geholfen. Denn besonders in der zweiten Albumhäfte scheint es, als würden diese ein seltsames Eigenleben führen. Man hört irreführende Geräusche aus der Ferne, eigentlich fehlplatzierte Klänge in plötzlich verlangsamten Strukturen und schrecklich nervös zuckende Bassläufe. Aber zur letzten Nummer ‚ Painted Black ‚ raufen sich dann Instrumente und Doldrums wieder zusammen und gemeinsam lassen sie nochmals fokussierte Sample-Collagen in Reinform entstehen. Schlussendlich bleibt ‚ Lesser Evil ‚ ein beeindruckendes und mitreißendes Debütalbum, welches allerdings an manchen Stellen zu dick aufträgt und somit auch überflüssige Anstrengungen unternimmt. Weniger wäre in diesen Fällen oftmals mehr gewesen. Ende des Jahres folgte übrigens mit ‚ She Is The Wave ‚ die zweite Single, von der Black Dice so begeistert waren, dass sie einen Remix dafür machten und diesen gibt es nach wie vor hier als kostenlosen Download: