Devendra Banhart – What Will We Be

Für manche mag diese Art von Musik die perfekte Ablenkung für kalte Jahreszeiten sein. Andere können den kühlen Temperaturen zwar ebenso wenig abgewinnen, tendieren aber trotzdem nicht zu dem neuen Album von Devendra Banhart, dem Mann aus San Francisco, der ebenso gut aus einem kleinen verschlafenen Nest nähe der Küste entsprungen sein könnte. Erstaunlich wie an diesem jungen Mann sämtliche Hektik der großen Metropole abprallt, wie ein praller Tennisball der gegen die Wand geschlagen wurde. Doch zurück zu den Menschen und der neuen Platte. Warum sollte man sich diese vierzehn Stücke anhören, darin versinken und sich den warmen Sommer bei einer leichten Brise vorstellen? Und genau hier stößt man auf das erste Defizit von ‚ What Will We Be ‚, denn böse gesagt könnte man nun kurz festhalten: Kennt man einen der Songs, wir nehmen nun den Opener ‚ Can’t Help But Smiling ‚, so gibt es im weiteren Verlauf keine großen Überraschungen zu erwarten. Wie ein seichter Bachlauf schlängeln sich die Songs durch zartes Grün, verzichten auf unnötige Strömungen, auftürmende Steine im kalten Nass und auch farbenfrohe Blumen werden wir am Wegesrand nicht zu Gesicht bekommen. Aber selbst wenn es schwer zu glauben ist: Devendra Banhart galt in früheren Zeiten als echter Freak in der Folk-Szene, als magischer, mystischer und musikalischer Schamane. Er klang wie ein liebenswerter Spinner, der mit seinen Homerecordings auf die Menschheit losgelassen wurde um einen regelmäßigen und rechteckigen Parameter um den Rock’n’Roll zu spannen. Seine Shows waren einfach zum Feiern da, doch bevor er sich die Chance auf einen Platz in der Hall Of Fame erspielte, normalisierte sich sein Leben und damit auch die Musik des Devendra Banhart’s. Eben deshalb gibt es auf dem sechsten Studioalbum keine nennenswerten Überraschungen, oder individuelle Ausflüchte in die verwirrenden Gedankengänge des Mannes aus San Francisco. Höchstens diverse Ansätze lassen sich im grellen Licht gerade noch erblicken, bevor Sie sich Ihre Aura wieder scheu unseren Blicken entziehen kann. ‚ Angelika ‚ ist ein Lied um eine gespaltene Persönlichkeit mit schlendernden Gang im ersten Teil und Verunglimpfungen in spanischen Worten in einer betrunkenen Theatralik. ‚ Chin Chin & Muck Muck ‚ ist ein ähnliches Kunststück. Es beginnt zurückhaltend in einer entspannten Piano-Ballade, bevor sich zu einem Bongo-hüpfenden-Folk-Witz emporspielt. Es springt herrlich erfrischend zwischen den beiden Stimmungen hin und her, während ‚ Last Song ‚ den nachdenklichen Part auf ‚ What Will We Be ‚ darstellt. Insgesamt bleibt es für die Devendra Banhart Fans unter uns, eine lohnende Anschaffung mit schönen Erinnerungen an die alte Zeit. Doch Banhart ist in seiner Karriere an einen Punkt gestoßen, in dem er sich in Zukunft nicht festsetzen sollte, sondern die Gelegenheit nutzen um sein Talent in ebenbürtigen Songs für alle Zeit zu verewigen.