Deftones – Ohms

Das neue Album ist emotional, schwer und überzeugend. Es sind die DEFTONES. Sie haben ihr Album gemacht und ehrlich gesagt, man hätte es gar nicht anders haben wollen.

In ihrem vierten Jahrzehnt ihres Bestehens und mit 20 Jahren Entfernung von ihrem kommerziellen und absoluten Höhepunkt „White Pony“, kann man den Deftones es verzeihen, dass sie die Dinge über die letzten Jahre locker angingen – aber wie „Ohms“ nun zwangsweise bestätigen kann, schießen diese Veteranen immer noch scharf wenn es darauf ankommt. Der Schlüssel zur Langlebigkeit der Band war immer ihre Fähigkeit, Helligkeit und Dunkelheit zu verweben und neben ihren Kollegen nicht klassifizierbar zu sein. Die Band baute beinahe lautlos eine Diskographie auf, für die andere Gruppen töten würden. 

Nach der Wiedervereinigung mit Produzent Terry Date, dem Mann hinter ihren ersten vier Alben (fünf, ohne den unveröffentlichten „Eros“), greift die Band mit voller Kraft an – dynamisch, hungrig und an einem neuen kreativen Höhepunkt angelangt. „Ohms“ ist das zugänglichste Werk seit „White Pony“ und bietet uns eine Menge Substanz: Zum ersten Mal seit einiger Zeit haben streng ausgeführte Songs Vorrang vor berauschenden Ideen, was zu einer zutiefst effektiven und befriedigenden Erfahrung führt, die ihre Epochen in Einklang bringt. Die Deftones spielen mit den Konzepten von Widerstand und Polarität, die der Titel des Albums impliziert, und bleiben stets im Gleichgewicht zwischen diesen zehn Tracks.

Ab dem ersten Takt von „Genesis“ ist es ein glückliches Wiedersehen, bei dem die stärkeren Impulse der Band in den Vordergrund gerückt werden. Stephen Carpenter’s Riffs wechseln ständig zwischen universalen Ausbrüchen und flinken Thrash-Licks. Es ist ein anspruchsvolles, muskulöses Hören und trotz dieser starken Natur enthält „Ohms“ immer noch Momente wunderschöner Melancholie, die die Songs atmen lassen und uns zum Ständchen einladen. „Pompeji“ ist das deutlichste Beispiel dafür, ein erstaunlicher Track mit einem metallischen Brüllen im Refrain, bevor dieser mit einem zweiminütigen Ambient-Outro endet, wobei das beruhigende Geräusch von Wellen und Möwen uns wegtreiben lässt.

Dieses Album bedeutet den Deftones wirklich etwas und sie haben ihre Seele offen gelegt, damit wir alle Zeuge werden können. „Ohms“ ist aggressiv, zerstörerisch und verführerisch schön – aber vor allem steckt hinter jedem Schlag, den sie uns versetzen, ein tiefgreifender Zweck und eine Sehnsucht. Passend dazu ist der gleichnamige Titeltrack einer der besten Songs, die sie je gemacht haben, und wie alles andere auf dem neunten Album eine schwindelerregende Darstellung einer Band, die auch nach zweieinhalb Jahrzehnten immer noch neue Wege findet, um sich zu energetisieren, Wut zu erzeugen und zu inspirieren.