Deerhunter – Fading Frontier

Fifteen years I spent proving myself,“ sagte kürzlich Bradford Cox und erklärte zugleich den simplen Grund des neuen Albums: „The only reason for me to make a record now is to make the record.“ So entspannt die Herangehensweise, so wunderbar ausgeglichen ist auch die Balance auf »Fading Frontier«, Textur und Leichtigkeit sind offensichtlich, die Songs strahlen vor reiner Klarheit, egal ob der Groove in die Beine schießt, oder in genüsslicher Langsamkeit durch verschleierte Wälder schlendert. Ein schrecklicher Unfall hätte in der jüngeren Vergangenheit Bradford Cox beinahe das Leben gekostet und seinen Ausblick deutlich verändert. Ebenfalls was die Musik von Deerhunter betrifft. Vorbei ist das Zähneknirschen und das dumpfe knurren aus den Tiefen seiner Kehle. Der Gesang von Cox ist ebenso klar wie die Melodien. Jede Sorge über die Auswirkungen dieser neu gewonnene Ruhe lassen Deerhunter aber beim Hören der phänomenalen neuen Tracks schnell verblassen. »Fading Frontier« ist sowohl ein riesiger Schritt zur Seite, wie auch ein riesiger Schritt nach vorn. »All the Same« eröffnet das Album mit einer scheinbaren Anspielung auf diese Veränderung hat lässt noch ein zartes Knurren verlauten, aber kein Vergleich zu »Halcyon Digest« aus dem Jahr 2010 oder das in die Enge getriebe und von Wildheit getriebene letzte Werk »Monomania«. Der zweite Track bringt dann strahlendes Licht und geleitet die Band herrlich gelöst und frei in die neue Schaffensphase. „Distance can change fate/ It’s happening again“. Die neuen Songs können Enge erzeugen wenn sie müssen, bleiben aber zu jedem Zeitpunkt locker genug, um den Kosmos zu erforschen. Bradford Cox hat eine neue und äußerst ertragreiche Perspektive eröffnet. Kombiniert mit dem Deerhunter typischen Soundmix ist »Fading Frontier« gleichzeitig das komplexeste Album der Band, sowie das am leichtesten zugängliche.

8.5