Deadmau5 ‎– > Album Title Goes Here <

Ich höre zwar seit Jahren Techno, House und seit einigen Jahren mehr elektronische Musik, doch Deadmau5 erlebte ich das erste Mal auf dem Urban Art Forms im letzten Jahr und war beeindruckt. Vielleicht lag es an der Maske, oder an dem Mischpult, welches einer kleinen Burganlage glich – es könnte aber auch seine Musik gewesen sein. Es war eine hektische Mischung zugunsten eines elektronischen Resonanzbodens. Leider hatte ich damals nicht mehr die Energie für das komplette Konzert – FatBoy Slim zerrte davor einfach zu reißerisch an meinen Tanzbeinen herum, doch Deadmau5 blieb im Gedächtnis hängen und so greifen wir nun zur Überleitung und damit auch zum neuen Album ‚ > Album Title Goes Here < ‚ des Joel Thomas Zimmerman aus Toronto, Kanada. Sein Eröffnungsstück ‚ Superliminal ‚ beginnt mit bedrohlich verzerrten Basslinien und schönen klanglichen Texturen. Es sind verdammt treibende Beats, druckvolle Rhythmen mit großartiger Atmosphäre. Es dauert dementsprechend keine fünf Sekunden und man ist erstmal dem neuen Werk hoffnungslos verfallen. Insgesamt orientiert sich Deadmau5 nicht nur namentlich an frühere Alben wie ‚ Random Album Title ‚ oder ‚ for lack of a better name ‚, sondern übernimmt neben neuen Akzenten auch Progressive House oder den geliebten „Ghosts ’n‘ Stuff“ in Reinform. Was sich allerdings bis hierhin wundervoll anhört, flacht im weiteren Verlauf zeitweilig ab. ‚ Channel 42 ‚ in Zusammenarbeit mit Wolfgang Gartner versprüht noch ein ordentliches Pfund atemberaubender Dimensionen zwischen angenehmer Leichtigkeit und psychedelischen Ausreißern. Aber ‚ The Veldt ‚ mit stimmlicher Unterstützung von Chris James wirkt in meinen Gehörgängen zu seicht, „happy life with the machines … the world the children made … look at us now, so in love with the way we are“. Da lässt es sich mit ‚ Fn Pig ‚ und später auch mit ‚ Math ‚ wesentlich besser leben, es knarzen die Bässe, es explodiert die Europhie, es sprudelt die kommunale Transzendenz auf der Tanzfläche. ‚ There Might Be Coffe ‚ ist durchaus eingängig und äußerst Präsenz – doch plätschert es über die sieben Minuten Spielzeit zu belanglos durch die Boxen. Aber was ist das? Plötzlich befinden wir uns in einem thematischen Wechsel. ‚ Take Care Of The Proper Paperwork ‚ schleust aggressive Gitarren ein, stürmt rückwärts in das Jahr 1992 und bricht dort zielgerichtet die Tür zu einem deutschen Tech-House Club auf. Es tröpfelt von der Decke nasskalt auf unsere Köpfe herab und auf einmal interessiert es einem auch nicht mehr, was die Nachbarn über den angestiegenen Dezibel-Pegel zu sagen haben. Gegen Ende steht dann noch Cypres Hill auf der Matte und lässt in ‚ Failbait ‚ den Versuch scheitern, Elektronik und Hard Rock in eine kommunzierende Verbindung zu versetzen. ‚ Telemiscommunications ‚ mit Gesängen der weiblichen Sängerion Imogen Heap sorgen dann für einen sehr unscheinbaren Schluss – man hat beinahe das Gefühl, es würde sich hierbei nur um eine Unterbrechung handeln. Doch ‚ > Album Title Goes Here < ‚ ist vorbei und für manchen wird es an dieser Stelle eine düstere Entdeckung gewesen sein. Insgesamt ist das neue Album durchaus eine lohnenswerte Anschaffung, es ist gut produziert, druckvoll, kräftig und wurde mit einem präzisen Gespür für die richtige Dynamik ausgestattet. Deadmau5 kennt eben den Musikmarkt und weiß diesen auch für seinen Vorteil zu nutzen. Es sei im gegönnt…