Daniel Avery + Alessandro Cortini – Illusion Of Time

Das neue Album ist wahrlich reich an Ideen, die allesamt um die Krone kämpfen. Es ist ein Album, auf dem Daniel Avery und Alessandro Cortini sich auf eine Atmosphäre einlassen, wie sie es noch nie zuvor getan haben, und es ist ein Album, das sich letztendlich weigert, seine Bedeutung zu vereinheitlichen. Es ist auch eine der unmittelbar faszinierendsten Ambient-Veröffentlichungen des Jahres. Alessandro Cortini ist ein italienischer Synth-Guru, der auch Mitglied von Nine Inch Nails ist. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden zusammengeschlossen haben. 2017 produzierten sie aus der Ferne eine limitierte 7“ Auflage namens „Sun Draw Water“. Die beiden Songs dieser Platte erscheinen beide auf „Illusion of Time“, der Rest des Albums wurde 2018 fertiggestellt, als sich die beiden Künstler schließlich persönlich trafen.

Avery mag hier der größere Name sein, aber die Platte zeigt überall Cortini’s Fingerabdrücke, besonders wenn das Album den Blick in das von Synths getriebene Gebiet der exzellenten „Volume Massimo“ aus dem letzten Jahr eintaucht. Obwohl „Illusion of Time“ die hellen Farben und Klangdimensionen des Albums fehlen, gibt es bei der Arbeit ein ähnliches Gefühl synthgetriebener Anstiege, wenn auch weniger poliert und gelegentlich dunkler im Ton. „Illusion of Time“ ist bedrückend, unversöhnlich und schön. Gleichzeitig ist es mit diesen wunderschönen Momenten musikalischer Klarheit gefüllt. Nehmen wir zum Beispiel den gleichnamigen Titel. Ein anmutiges Stück, bei dem dieselbe rollende Synth-Melodie flink um einen alles verzehrenden Bass wirbelt. 

Der vorletzte Track „Water“ verdient ebenfalls Anerkennung, da er eines der breitesten und schönsten Ambient-Stücke der letzten Jahre ist. Trotz Avery’s DJ-Stammbaum hat „Illusion of Time“ keine wirkliche Beziehung zum Club. Es gibt keine Beats auf dem Album und obwohl es nicht gerade Ambient ist, tendiert die Musik dazu, zu driften und zu schweben. Es gibt keine konkrete Erzählung, von der man sprechen könnte, aber Avery und Cortini haben ihren Blick eindeutig in den Himmel gerichtet. Es ist ein sehr flüssiges Album, bei dem Songs ineinander führen und klanglich sehr gut zusammenhalten. Es verbindet Ambient, Electronica und experimentelle Kompositionen, die ineinander zu gleiten scheinen. Alles fühlt sich mühelos an.