Coma – In Technicolor

Abgerundete Kanten, elastische Rillen, sphärische Electroklänge und ein Track von dem man sich gerne davon überzeugen lassen würde, das Universum existiere schon seit Ewigkeiten. Einstein war zwar anderer Meinung, aber wen kümmert das schon, wenn sich hier im eröffnenden Stück ‚ Hoooooray ‚ eine ausbalancierte Schöpferkraft mobilisiert und sich plötzlich das eigene Wohlbefinden ganz massiv steigert? COMA sind Marius Bubat und Georg Conrad, verantwortlich für die ureigene Mischung aus Pop und Elektronik. Es herrscht ein Gleichgewicht, fast Schwerelosigkeit, wenn kurz darauf das zweite Stück ‚ Maybach ‚ mit perfekt ineinander verwobenen Melodien und lässigen Gesängen die Beine auf der Tanzfläche zärtlich und sanft in Schwingung versetzt. Mit ‚ Cycle ‚ bekommen wir dann einen wirbelnden Electro-Kracher vorgesetzt, der als instrumentales Zwischenspiel die seligen Spiralen Himmel aufwärts steigen lässt. Glitzernde Synthie-Riffs zu stakkatoartigen Beats erwarten den Hörer in ‚ Les Dilettantes ‚, während ‚ Missing Piece ‚ den abwechslungsreichen Charakter der Platte festigt. Ungewohnt eingängige Gesang-Samples im Mid-Tempo, dazu gemäßigte Beats und überlappende Synths sorgen für ein wärmendes Ambiente, umhüllt von zeitgenössischer Pop-Kultur. “Puristische Techno-Alben hören wir uns selber nicht gerne an”, sagen COMA, “also haben wir uns nach zahllosen Club-Gigs auf der ganzen Welt entschlossen stattdessen eine Art Pop-Album über Clubkultur aufzunehmen”. Das Vorhaben wurde bravourös umgesetzt. Natürlich gibt es hier und da Überlängen, aber man sollte währenddessen einfach an das kostbare Gut der Zeit denken, es sich auf dem Sofa gemütlich machen (nachdem der Plattenspieler eingeschaltet wurde) und entspannen. Den Alltag vergessen und die Welt von COMA für sich entdecken. Denn man wird es spätestens dann spüren: in der Gesamtheit entwickelt sich über dem Debütalbum ein riesiger Spannungsbögen voller ungewöhnlicher Sounds, freigeistiger Strukturen und sehnsüchtiger Grooves mit dem Drang nach ungeteilter Aufmerksamkeit. ‚ In Technicolor ‚ beweist Abenteuerlust und erstklassige Ästhetik zwischen Melancholie und einem ausgedehnten Panoramablick bis Unendlichkeit und noch viel weiter.