Charlie Winston – Hobo

Woher kommt Charlie Winston? Selbstverständlich aus England. Was sind seine musikalischen Vorlieben? Folk, Indie Folk und klassischer Indie Pop. Außerdem machte er schon gemeinsame Sache mit Peter Gabriel im Jahr 2007 und Tom Baxter. Sein Name leitet sich von Charlie Winston And The Oxymorons ab, mit denen er vor seiner Zeit als Solokünstler durch die Lande tingelte. Nun steht mit ‚ Hobo ‚ sein Debüt in den Läden, in Frankreich gelangte er im April mit der Single ‚ Like A Hobo ‚ sogar auf den ersten Platz der französischen Charts. Eigentlich ein richtiger Spätzünder, wenn man bedenkt das Winston schon die Dreißig überschritten hat und erst jetzt so richtig durchstartet. Bei Amazon lag die Platte direkt nach Veröffentlichung unter den zwanzig meist verkauften CDs, während die Fans in England noch bis Ende Oktober darauf warten müssen. Wir leben scheinbar in einer verkehrten Welt. In Frankreich gefeiert und glücklicherweise ohne eine Teilnahme am peinlichen Eurovision Song Contest. Verständlicherweise erwirtschaftet Charlie Winston mit seiner Musik auch eine nicht unerhebliche Menge an Geld, die Karriere läuft, die Menschen erfreuen sich über seine Songs und überhaupt ist Winston ein Vollblut-Musiker wie er im Buche steht. ‚ Hobo ‚ ist organisch und macht auf den ersten Blick einfach Spaß, Winston’s Gesang ist erfrischend und unbehandelt. ‚ I Love Your Smile ‚ weckt Gedanken an Randy Newman, während ‚ Soundtrack To Falling In Love ‚ inmitten von New Orleans sich im Kreis dreht und dabei den Blick gegen den Himmel richtet. Die ruhigen und nachdenklichen Aspekte gehören ebenso in das Repertoire des Charlie Winston, wie auch rockige und zielstrebige Nummern. ‚ Every Step ‚ ist eine davon, frech und unkompliziert ruft es die britische Freundlichkeit herbei und übergibt an den abschließenden Track ‚ My Name ‚. Leider ist Charlie Winston auf seinem Debüt nicht konstant genug, um auf voller Länge seine Qualitäten unter Beweis stellen zu können. Das beginnt mit dem Opener ‚ In Your Hands ‚, führt mit einem kleinen Sprung zu ‚ Kick The Bucket ‚ und übergibt per Handschlag an ‚ My Life As A Duck ‚. Diese Reihe könnte man nun so weiter führen, denn so vielversprechend der erste Durchlauf auch für manchen klingen mag, so ernüchternd wird der zweite Durchlauf. Simpel gestrickte Melodien mit plumpen Andeutungen stehen einer idealistischen Philosophie und antimaterialistischen Themen mit leidenschaftlichen Tönen und Klängen gegenüber. Vieles geht dabei schnell ins Ohr, manches bleibt dort tatsächlich hängen, doch das meiste schwirrt ungefiltert auf der anderen Seite wieder in die Freiheit und verpufft dort wie ein geplatztes Reiskorn unter Tausenden. Winston klingt zu beliebig, zu verwechselbar und hinterlässt eine zu große Menge geschmischter Gefühle, mit der sich der Hörer nunmal nicht ewig beschäftigen will. So bleiben unter dem Strich einige Glanzstücke, wie auch das Stück ‚ Boxes ‚ mit einer reflektierenden Geschichte und beeindruckenden Klavierspiel. Das hätte ‚ Hobo ‚ vielleicht einen kleinen Aufwind spendiert. So bleibt das Debüt nur eine Veröffentlichung unter vielen und ohne nennenswerten Nährwert für die kommende Zukunft.