Brendan Benson – My Old, Familiar Friend

Die Presse ist endlich angekommen. Angekommen bei Brendan Benson uns seinen Werken als Solo-Künstler. Erst durch die gemeinsame Zusammenarbeit mit Jack Lawrence, Patrick Keeler und Jack White in der Band The Raconteurs gelangte der Mann aus Michigan an die breite Öffentlichkeit. Es mussten die beiden Alben Broken Boy Soldiers ‚ aus dem Jahr 2006 ‚ und ‚ Consolers Of The Lonely ‚ zwei Jahre darauf herhalten, doch schlussendlich hat es sich gelohnt. Keine Frage, seine Alben sind kleine Meisterwerke der Musikgeschichte. Sie sind der feine Marmeladenüberzug längst ergrauter Bodenbeläge einer angepassten Landschaft und der Scharfsinn für klassischen Power-Pop der siebziger Jahre. Den Ursprung legte Benson mit seinem Debüt ‚ One Mississippi ‚ im Jahr 1996. Ein, aus der Vermarktung gesehen, total verkorkstes Album. Als Einzelgänger wurde er von Virgin Records in den unendlichen Weiten ausgesetzt, keine Hilfen, keine Werbung und die daraus resultierenden Verkaufszahlen enttäuschten natürlich, was schließlich zur Kündigung durch Virgin führte. Ein Paradebeispiel wie ein Plattenlabel es nicht machen sollte. Brendan Benson ging für den vierten Langspieler ‚ My Old, Familiar Friend ‚ zu According To Our Records, dass 2000 von Dave Matthews, Coran Capshaw, Chris Tetzeli und Michael McDonald gegründet wurde. Als Produzenten holte sich Brendan niemand geringeres als Gil Norton, der mit den Pixies, Throwing Muses, Foo Fighters, Patti Smith und vielen anderen zusammen arbeitete. Es ist damit das erste Album, in dem der Amerikaner die Arbeit abgibt und zugleich das erste Album, nachdem Ihn die Raconteurs in die umfangreiche Masse getragen haben. Vielleicht kam es deshalb zu diesem Entschluss. Doch wenn die ersten Takte zu ‚ A Whole Lot Better ‚ in den Ohren ertönen sind Gedanken dieser Art schnell wieder aus dem Gedächtnis gewischt. Zwar erinnert der Opener kurzzeitig an ‚ The Switch And The Spur ‚ des letzten Raconteurs Album, aber eben nur für einen Bruchteil und die Textzeilen beziehen sich sowieso auf ganz andere Dinge im Leben. „I fell in love with you, and out of love with you, and back in love with you, all in the same day, I feel a whole lot better when you come around“. Es sei im verziehen, schließlich wurde mit den Raconteurs das Fundament gegossen. Der Traum der melodischen Indie-Blues-Handwerkskunst wird Wirklichkeit. Es war ein kluger Schachzug Gil Norton dafür zu verpflichten und im Gegensatz zu gleichgesinnten Kollegen hier nicht mit der Macht zu geizen. Die Leute wissen nun wer Brendan Benson ist und trotzdem bleibt er seinen lieb gewonnenen Eigenschaften treu. Er verschüttet die pure Hektik in ‚ Poised And Ready ‚ mit dem Klavier und den eingespielten Streichinstrumenten, kreiert den nahezu perfekten Popsong mit ‚ Misery ‚ und überquert damit die Ebenen hoffnungsvoller Stimmung und kathartischer Wut. Kompromisslose Infektiosität und bemerkenswerte Leichtigkeit erstrahlen in einer polierten Fokusierung der wesentlichen Dinge. Es war ein schwieriger Weg und ein gewichtiges Risiko innerhalb von ‚ My Old, Familiar Friend ‚ nicht zu beliebig zu klingen. Doch Benson konnte inmitten dieser Gefahr einen emotionalen Aufruhr entfachen und jagt die Strukturen von Oben nach Unten. Es ist der unantastbare Perfektionismus der diese elf Stücke vorantreibt und sie in einen sanften Glanz hüllt. Es flirtet zwar nicht mehr so charmant wie ein ‚ One Mississippi ‚, wirkt dafür aber umso effektiver auf den Hörer ein.