Brendan Benson – Lapalco

‚ One Mississippi ‚ zählt bereits jetzt zu den größten übersehenen Pop-Meisterwerken der letzten Jahrzehnte. Von Virgin fallen gelassen, fand Brendan Benson mit der zweiten Platte ‚ Lapalco ‚ zum Label Startime International, auf dem sich unter anderem auch The Duke Spirit und The Walkmen befinden. Mit der richtigen Hintergrund und einer Fangemeinde, die auch diesmal nicht enttäuscht werden dürfte, ist Benson wieder obenauf. Das Geschäft und insbesondere die Popmusik ist manchmal schon eine seltsame Sache. Manche Menschen meiden Sie wie die Pest, während andere einfach still davorsitzen und in eine andere Welt entschwinden. Benson ist zwar nicht der Mann, der auch die letzten Zweifler auf die gute Seite ziehen kann, dennoch wird er von allen Seiten respektiert. Er zeichnet sich aus durch zuckersüße Pop-Hooks, komplexe Strukturen und dem minimalen Gebrauch an technischen Spielereien und Instrumentalisierungen. Ein weiterer Bestandteil, der auf ‚ Lapalco ‚ zunehmend an Bedeutung gewinnt, sind die eingängigen Melodien. Eigentlich muss ehrlicherweise gesagt werden, das Album ist damit vollgestopft. Gitarren, Bass und Schlagzeug glänzen und beweisen, nicht nur die Stimme von Benson zaubert unvergessliche Momente auf die innere Leinwand. Das verzerrte, bluesige Gitarren-Intro ‚ Good To Me ‚, das seinen Weg ebenfalls als Cover auf die White Stripes B-Seite Ihrer Single ‚ Seven Nation Army ‚ fand. Es ist eine äußerst wirksame Kombination aus 60er Car-Pop und komplizierten Gefühlen. Auch der Opener ‚ Tiny Spark ‚ brilliert durch die einfache Akkord IV-IV-Struktur im Mid-Tempo-Power-Pop mit dem soliden und effizienten Einsatz von Tamburin, Keyboard und Handclaps. ‚ Folker Singer ‚ setzt wie sein Vorgänger ‚ Metarie ‚ auf die Ära der Beatles und des pumpenden Stils der Kinks. Während ‚ Life In The D ‚ eine trockene und müde Satire auf die Heimatstadt Detroit ist. Im Prinzip läuft bei ‚ Lapalco ‚ nur selten etwas aus dem Ruder. Denn das einzige Leck, die einzige Schwachstelle in dem fast perfekten Indie-Pop-Album sind die etwas langsameren Stücke. ‚ Jet Lag ‚ ist eine Vier-Minuten-Piano-Ballade die in den weiten des blauen Ozeans ziellos umher treibt. Einzig das angesprochene ‚ Life In The D ‚ und ‚ Just Like Me ‚ riskieren Ihren Teil und werden schlussendlich reich dafür belohnt. Eine dieser seltsamen Konstruktionen ist dagegen ‚ Eventually ‚, dem es gelingt die verschieden- melodischen Linien perfekt ineinander zu mischen. Am Ende der zwölf Tracks folgt mit ‚ Metarie ‚ der Hiddentrack als Demoversion. Damit ist es zu Ende, aus und vorbei. Das zweite Werk von Brendan Benson erreicht damit vielleicht nicht mehr ganz die Qualität des Debüts, verliert aber zu keiner Zeit den Sinn für Melancholie und Humor. Und viel wichtiger ist in diesen Tagen sowieso: Die Presse und breite Öffentlichkeit steht endlich vor seiner Tür. Denn wenn Brendan Benson etwas verdient hat wie sonst kaum etwas anderes, dann ist es die unbestrittene Anerkennung.