Bloc Party – Intimacy

Bloc Party sind zurück auf den Tanzbühnen dieser Welt. Mit Ihrer mittlerweile dritten Platte entfernen sich die Londoner wieder ein Stück weit mehr vom Ursprung des Debütalbums ‚ Silent Alarm ‚ und setzen den Trend von ‚ A Weekend In The City ‚ fort. Die Stimme von Kele Okereke stand bekanntlich seit je her unter Dauerstrom, das dieser Umstand auf längere Sicht gesehen nicht der allerbeste sein könnte befanden Jacknife Lee und Paul Epworth, die auf der neuen Platte ‚ Intimacy ‚ hauptsächlich das Sagen hatten. So wurde Okerekes Stimme mit Beginn der letzten Platte immer häufiger mit elektronischen Mitteln verfremdet und entstellt. Diese Tatsache mag einigen nicht gepasst haben, da live sowieso alles anders klingt. Aber sieht man sich die Verkaufszahlen der letzten Platte genauer an unterstreichen diese nunmal die logische Weiterentwicklung in diesem Punkt. Das Geschnipsel mit Okerekes Stimme setzt sich also fort und sorgt für einen neuen Schwerpunkt auf der dritten Platte. Ansonsten blieb das meiste beim Alten. Die wenigen Neuerungen lassen sich in altbekannte Muster nieder und sorgen so frische Farben die sich besonders im Opener ‚ Ares ‚ auf voller Fläche ausbreiten. Wo damals ‚ Like Eating Glass ‚ und ‚ Pioneers ‚ sich stetig im gleichmäßigen gegenüber belauerten, dabei kontrolliertes Chaos mit unberechenbarer und positiver Nervosität vermischten, führt ‚ Ares ‚ eine uneingeschränkte akustische Kriegsführung. Russell Lissack an der Gitarre sorgt für wirbelnde Sirenen die einem Luftangriff gleich kommen, während die Rythmussektion sich so nahtlos mit einfügt als wäre es per Gedankenaustausch über die Bühne gegangen. Auch The Prodigy lassen sich im Refrain blicken und verschwinden erst mit Ende des ersten Songs anstandslos vom Schaupunkt des Geschehens. ‚ Mercury ’sorgt dagegen mit seinen Bläsern, den Trompetern und der eingespielten Drum-Machine für das bisher größte Chaos auf Bloc Party Platten. Bestimmt ist aber genau dieser nicht jedermanns Sache und setzt Nervenstärke voraus, alles wirkt unharmonisch und zusammengeschustert. Halt lässt sich gerade mal in den Tiefen der Strukturen finden, wo zumindest ein wenig die verschiedenen Elemente Hand in Hand zusammenarbeiten. Da kommt es nur zurecht, dass mit ‚ Halo ‚ gewohnte Kost vorgesetzt wird mit wirbelnden Gitarrenriffs die bestimmend das Tempo vorgeben, alles begrenzt sich hier auf das Nötigste und lässt es richtig krachen. ‚ Biko ‚ setzt sich dagegen Stück für Stück zusammen, ein verträumter Beginn dem später vorsichtig und fast schüchtern die Drums Gesellschaft leisten. Sanft werden sie in den Song aufgenommen, werden langsam bestimmter und bleiben dennoch wohldosiert ohne dabei, wie in manch anderen Stücken, in alle Richtungen zu zerspringen. Danach folgen zwei schwächere Songs bevor ‚ One Month Off ‚ die müden Geister mit neuer Inspiration belebt. Bewusst wurde hier auf den Refrain verzichtet, während der Song sich stetig in seiner Lautstärke und Dringlichkeit steigert folgt nie der logische Ausbruch. Es brodelt hier vielmehr kontinuierlich unter dem Deckel ganz ordentlich vor sich hin. Während es bis hierhin eine durchwachsene Geschichte war zeigen Bloc Party mit den letzten beiden Songs Ihre ganze Stärke. ‚ Better Than Heaven ‚ wie auch ‚ Ion Square ‚ zersprengen diese Seelenlosigkeit die man noch vor Albumveröffentlichung zu befürchten hatte. Der Post-Punk des Debüts ist dahin, der Weg wurde geebnet für einen großen und dichten Sound. Anstatt die Tiefen zu erforschen, die Details oder die Texturen geben Bloc Party die Bereitschaft zum Experimentieren in die Hände von Lee und saugen sich damit tief in die elektronische Musik ein. Wer sowohl mit dem Rock´n´Roll wie auch mit Drumcomputern was anfangen kann und sich diesen beiden Genres bei Kombination nicht versperrt, wird hier mit der dritten Platte ‚ Intimacy ‚ voll auf seine Kosten kommen.