Best Coast – Always Tomorrow

Als sich der Albumzyklus zu „California Nights“ im Jahr 2015 beendete, war die Sängerin und Gitarristin Bethany Cosentino deprimiert und konnte weder schreiben noch eine bessere Zukunft sehen. Sie schaffte es dann schließlich doch, „Everything Has Changed“ auf Papier zu bringen, und zum Glück tat sie das tatsächlich. Indem sie das Leben, von dem sie wusste, dass sie es wollte, in einem Lied beschrieb, machte sie sich frei, verfolgte neue Ziele und würde diesem Song in Kürze 10 weitere Lieder der Genesung folgen lassen. In den fünf Jahren seit dem letzten Album von Best Coast hat Frontfrau Beth Cosentino auch eine Art Verjüngung erfahren. Einige Jahre nachdem sie Ihre Wake-and-Bake-Routine startete, die ihre Angst nur noch verschlimmerte, hörte sie auf zu trinken. Sie wurde weiser und akzeptierte die launische Natur des Lebens.

Herausgekommen ist nun als mit „Always Tomorrow“ ein Album, dass aus dieser Sicht bemerkenswert stark, aber musikalisch eher schwach daherkommt. Best Coast haben sich im Vorfeld selbst Verweise auf The Go-Go’s, The B-52’s, Fleetwood Mac, The Bangles und The Talking Heads erlaubt. Das ist aus zweierlei Gründen ein Problem. Das erste und dringlichste ist, dass es sich bei diesen Bands nicht um Bands handelt, die man leicht umstoßen kann – jede von ihnen hat eine eigene Fangemeinde und die Verwendung ihres Namens, zur Werbung für die eigene Platte, deutet auf eine Qualitätsgarantie hin. Aber nicht einmal David Byrne verweist auf die Talking Heads, wenn er seine neuen Alben veröffentlicht – er weiß es besser.

Zweitens klingt der Rest des Albums, abgesehen vom eröffnenden „Different Light“ – der ein bisschen an The B-52 erinnert – wie Weezer, The Lemonheads und Juliana Hatfield. Es kann daher nur Enttäuschung folgen, wenn man aufgrund der Versprechungen Größe erwartet und am Ende nur generischen Indie-Pop erhält. Doch es ist nicht alles schlecht. Wir erleben in den Songs eine unwiderstehlich optimistische Hommage an das eigene Ich, die Reflexion und die Freuden des Alltags. Mit der Reife kann das Alltägliche ziemlich erfüllend werden, Texte über Bettlaken, Pflanzen und dem Hund können Geschichten über hohe und dysfunktionale Beziehungen ersetzen. Dabei zeigt „For The First Time“ die musikalische und persönliche Reife der Band.

Ähnlich überzeugend ist das Album-Herzstück „Rollercoaster“. Hier kehren Cosentino und Bruno in die 60er-Jahre zurück und flirten noch einmal mit dem Titeltrack zu „California Nights“. Letztlich bietet „Always Tomorrow“ eine Handvoll druckvoller, vielversprechender Ansätze, betritt aber zu oft alten Boden und lassen die Ideen damit abgestanden klingen.