Barn Owl – V

Barn Owl eröffnen Ihre Pforten in der dunklen Ambient-Musik, in den Tiefen des Untergrunds wälzen sich gerupfte Bässe durch höhlenartige Gänge, während von der Decke giftiger Feenstaub rieselt. Es ist unser bevorstehender Weg durch die neue Platte von Barn Owl. Ein Arsenal an Gitarren und Effekten beäugen uns aus schwarzen Schlupflöchern, die spektralen Synthesizer und die expandierende Elektronik führen uns hinein in dieses verzwickte Höhlensystem. Angstvoll wandert der Blick umher und es fährt einem immer wieder der Schreck durch die steifen Glieder, wenn das subtile rhythmische Zusammenspiel zwischen einer Drum-Maschine und dem Zerfall verzögerter Gitarren bizarre Konturen an die Wände kritzelt. ‚ The Long Shadow ‚ wirkt dagegen wie der schwere Geist eines Beruhigungsmittel auf uns, es lähmt die eigenen Schritte und wäscht das schmutzige Haupt in monotoner Trostlosigkeit. ‚ Against The Night ‚ ist eine schmelzende Unschärfe, erbaut auf stillschweigenden Rhythmen und eines möglichen Science-Fiction-Film-Soundtrack aus den späten 80er Jahren.“It was our goal to harness the fluidity and unpredictability of improvisation within considered arrangements. Special care was taken to convey the ever-changing flow through each piece, a continually shifting set of colors and textures and atmospheres.“ Barn Owl experimentieren als Duo schon mehrere Jahre und so ist es auch auf Ihrem neuen Werk nicht überraschend, wie unberechenbar Ihre Fließfähigkeit und die Improvisation innerhalb betrachteter Regelungen funktioniert. In ‚ Blood Echo ‚ erreicht die angesprochene Trostlosigkeit Ihren Höhepunkt. Wir befinden uns nun im Zentrum der Höhle und erblicken erschreckend krankhafte Melancholie, zernagt durch den Zahn der Zeit, verlassen und vergessen seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte. Und obwohl diese seelenlose Kreatur kaum noch aus einer greifbaren Masse besteht, spüren wir unweigerlich ein unterschwelliges Gefühl der Bedrohung aufsteigen. Doch ist es zu spät. Das siebzehnminütige Stück ‚ The Opulent Decline ‚ bringt erst die Flut und verschleiert gegen Ende die Spuren durch die eintretende Ebbe. Auch wenn es den eigenen Tod bedeutet, ‚ The Opulent Decline ‚ verdient jede Minute seiner Laufzeit. Durch die unzähligen ätherischen Verschiebungen im Laufe der Platte, spürt man als Hörer keine klaren Sinne mehr und so geschieht es, dass wir diesen langsamen Tod als narkotische Glückseligkeit empfinden. Alles entgleitet vor unserem geistigen Auge und plötzlich befinden wir uns auf einer Ballonfahrt über weite Wüsten. Phantastische Absurditäten präsentieren uns Barn Owl auf den letzten Metern unserer nun endenden Reise…