Bambara – Stray

Nachdem Bambara ihr vielbeachtetes Album „Shadow on Everything“ aus dem Jahr 2018 ausgiebig auf den Bühnen dieser Welt präsentierten, saßen sie sieben Monate lang im Keller von Frontmann Reid Bateh und verweilten in ihrer dunklen, musikalischen Landschaft, während sie versuchten, weiter in die Dunkelheit vorzudringen. Das Ergebnis ist das neue Album „Stray“, ein Album, das in einen dichten Nebel aus Zigarettenrauch und Trauer gehüllt ist. Im Zentrum des Ganzen steht Bateh’s unvergessliche Stimme. Bateh’s dunkle Poesie hat einen ähnlichen Bariton wie Nick Cave und erinnert von der Theatralik an Leonard Cohen. Voller Lust, Tragödie und Trauer zaubert Bateh’s reichhaltiger Stil Bilder, die von grotesk zu dunkel humorvoll wechseln.

Das eröffnende Stück „Miracle“ lässt uns schnell in Bambara’s mattschwarze musikalische Vision eintauchen. Erbaut auf einem Fundament aus rumpelndem Bass und untermauert von Saitenschichten, ist es ein äußerst atmosphärisches Stück. Wie die brennende Spitze einer Zigarette, die durch den nächtlichen Nebel glüht, taucht Bateh’s Gesang auf, als er eine weitere Geschichte aus der dunklen seelenlosen Nacht erzählt. Wenn es ein einheitliches Thema gibt, das die Songs auf dem Album verbindet, dann ist es die Beziehung des Protagonisten zum Tod und wie sie ihn einnehmen oder vor ihm fliehen. Bambara bewegen sich mühelos vom schwindelerregenden Noir des Openers zum zwielichtigen Death-Surf in Songs wie „Heat Lightning“ und „Ben & Lily“. 

Der Ausflug mit zehn Songs ist weiter entwickelt als die vorherigen Platten der Gruppe und die Songs scheinen mehr Biss zu haben. Bateh kommt eindeutig als Autor brillanter Miniatur-Straßendramen zur Geltung und auch sein Tempo und seine Darstellung sind schärfer und charismatischer als je zuvor. Selbst wenn er wie ein gesteinigter Wanderer klingt, ist die Art und Weise, wie er schmutzige Stadtszenen und verabscheuungswürdige Hinterzimmer-Possen beschreibt, so überzeugend, dass sie die Erzählungen eher antreiben als entgleisen lassen. Er unterbricht viele der Verse mit einem üppigen „Huh!“ und klingt dabei, als würde er Dämonen durch berstende Fensterscheiben nach draussen befördern. Dennoch bewahrt sich Bateh zu jeder Zeit ein cooles Gefühl der Gelassenheit.

Die Produktion verleiht allen Songs einen dunstigen, ätherischen Glanz, aber sie lässt alle lodernden Gitarrenriffs und pochenden Trommeln mitschwingen, anstatt sie auszuwaschen. In der Dunkelheit weiter umherstreunend, bleibt „Stray“ eine unwiderstehliche und großartige Leistung einer abenteuerlustigen Gruppe, die mit jedem Album besser wird.