Austra – HiRUDiN

Katie Stelmanis zeichnet auf Austra’s ergreifendem vierten Album „HiRUDiN“ eine zutiefst persönliche Reise der Entwicklung, der Wunderlichkeiten und der giftigen Beziehungen nach. „HiRUDiN“ wurde nach dem von Blutegeln freigesetzten Antikoagulans benannt und untersucht in geeigneter Weise die parasitäre Natur der Toxizität und die Heilung, die es hervorrufen kann. Der zweite Titel „All I Wanted“ gibt den Ton für das Album an. Die kraftvollen Texte lesen sich wie ein verärgerter Dialog über einen besiegten Liebhaber. Wütend und bombastisch ruft Stelmanis aus: „it doesn’t matter if you’re sorry ‚cause I’m leaving tomorrow. All I wanted was your love,“ seufzt sie und fängt den genauen Moment ein, in dem sich die Liebe ergibt und die Verachtung hereinströmt.

Es ist schwer, Katie Stelmanis zu verstehen. Es ist auch schwer, ihre sinnliche, elektro-beeinflusste, klassische Stimmung nicht zu mögen. Auf ihrem sich ständig weiterentwickelnden Karriereweg erlebte sie eine Achterbahnfahrt zwischen Genre und Stil, von dunkel und launisch über tanzbaren Synth-Pop bis hin zu beruhigendem New Age und wieder zurück. „HiRUDiN“ setzt diesen Trend fort. Und während sich das Album entfaltet, verebben und fließen die Tracks mit verschiedenen musikalischen Ideen und unkonventionellen Absichten, in denen Austra eine abwechslungsreiche Musiklandschaft erkundet. 

Aber es ist Stelmanis’ Opernstimme, die im Mittelpunkt steht und den Aufnahmen eine vertiefte Breite verleiht. Ihre mehrschichtige Stimme gleitet wie ein sanft schimmernder Geist zwischen den künstlichen Kulissen und klassischen Motiven. In Verbindung mit optimistisch synthetisierten Arpeggios und mitreißenden Beats sind die Ergebnisse geradezu atemberaubend. Das eröffnende Stück „Anywayz“ – zusammen mit „I Am Not Waiting“ und der großartigen Single „Risk It“ – sind eingängige, kunstvolle Popsongs, die sowohl emotional als auch erhebend makellos zwischen Sorge und Hoffnung schwanken.

Es gibt jedoch ein paar Probleme bei „HiRUDiN“. Ein paar der langsameren Songs sind gute Ideen, die sich aber nur zu großartigen Entwürfen entwickeln. Sie sind oft mit gotischem Melodramen überhäuft und klingen gut, während wir Ihnen zuhören, aber man wird nicht zu dem Wunsch gelangen, diese bei einer Wiederholung erneut abzuspielen. Insgesamt ist „HiRUDiN“ eine gewinnbringende Kombination aus Vertrautem und Besonderem und ist für Anhänger von ekstatischem Pop-Rock mit verführerischem Gesang und Rhythmen einen Besuch wert.